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Hexenschuss




Der Begriff „Hexenschuss“ hat seinen Ursprung im Mittelalter. Damals vermutete man, dass übernatürliche Wesen dem Menschen die Krankheit zufügten. Heutzutage kennt man verschiedene Gründe für die plötzlich auftretenden, starken Rückenschmerzen. Um welche es sich handelt, wie man einen Hexenschuss erkennt und wie man ihn behandelt, erklärt vitabook.


Was ist ein Hexenschuss?


Das Wort Hexenschuss ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für plötzlich auftretende, starke und anhaltende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. In der Medizin wird ein solches Schmerzbild als Lumbago oder akute Lumbalgie bezeichnet. Oft ist die Einklemmung eines Wirbelgelenkes der Auslöser. Auch das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosacral-Gelenk) kann betroffen sein. Ebenso sind Verspannungen der Rückenmuskulatur sind ein häufiger Auslöser. Seltenere Ursachen sind Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule und der Verschleiß von Gelenken, zum Beispiel im Rahmen einer Rheuma-Erkrankung (Rheumatoide Arthritis).


Kommt es zusätzlich zu einer Einklemmung von Nerven, die in die Beine führen, wie etwa dem Ischias-Nerv (Nervus ischiadicus), so spricht man von einer Lumboischialgie. Die Lumboischialgie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Schmerzen nicht auf den unteren Rücken und die Lendenwirbelsäule beschränkt sind, sondern in eines oder beide Beine ausstrahlen.


Wodurch kommt es zu einem Hexenschuss?


Ein Großteil der Hexenschüsse entsteht bei alltäglichen Aktivitäten. Das Heben schwerer Lasten, plötzliches Drehen der Hüfte und schnelles Bücken können Auslöser für die Rückenschmerzen sein. Auch sportliche Betätigung ist eine häufige Ursache für die Muskelverspannungen und Gelenkeinklemmungen, die zum Auftreten der Schmerzen führen. Im Bereich der Wirbelgelenke liegen eine Vielzahl von Nervenendigungen. Einklemmungen der Gelenke führen schnell zu einer Reizung dieser Nervenendigungen und somit zu den starken Schmerzen, über die Betroffene eines Hexenschusses klagen.


Auch entzündliche Veränderungen der Gelenke, wie sie zum Beispiel bei der Rheumatoiden Arthritis auftreten, können die Nerven reizen und zu starken Schmerzen führen.


Bandscheibenvorfälle sind nur sehr selten die Auslöser eines Hexenschusses. Trotzdem sind die Schmerzen gerade initial oft so heftig, dass viele Betroffene befürchten, einen solchen Bandscheibenvorfall erlitten zu haben.


Eine Bandscheibe, von Medizinern als Discus intervertebralis bezeichnet, liegt zwischen zwei Wirbelkörpern. Es handelt sich um eine Scheibe aus beweglichem Bindegewebe mit einem gallertartigen Kern. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt nicht immer die gesamte Bandscheibe zwischen den Wirbeln hervor. Oft stülpt sich lediglich ein Stück der Bandscheibe mit einem Teil des gallertartigen Kerns (Nucleus pulposus) heraus. In diesen Fällen spricht man von einer Bandscheibenvorwölbung (Diskusprotrusion).


Tritt ein größerer Teil der Bandscheibe hervor, spricht man von einem Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps). Sowohl Bandscheibenvorwölbung als auch Bandscheibenvorfall gehen mit starken Schmerzen einher, da fast immer Nerven eingeklemmt werden.


Wie stellt der Arzt die Diagnose Hexenschuss?


Die meisten Patienten, die einen Hexenschuss erleiden, können die Umstände unter denen er aufgetreten ist gut schildern. Diese auslösenden Faktoren geben dem Arzt einen Hinweis auf das Vorliegen eines Hexenschusses. Wichtig ist außerdem, wo die Schmerzen auftreten, wie stark sie sind und ob sie sich in andere Bereiche, zum Beispiel in die Beine, ausbreiten.


Außerdem wird der Arzt erfragen, ob zusätzlich andere Beschwerden, wie zum Beispiel eine plötzliche Harninkontinenz, vorliegen. Diese würde einen Hinweis auf die Beteiligung bestimmter Nerven geben.


Um das Ausmaß des Vorfalls zu bestimmen, wird der Arzt die Gefühlsempfindung im betroffenen Gebiet beurteilen. Diese sogenannte Sensibilitätsprüfung dient dazu, mögliche Nervenschäden festzustellen, um sie schnell behandeln zu können.


Je nachdem, wie stark die Schmerzen sind und welche zusätzlichen Symptome auftreten, wird der Arzt auf bildgebende Untersuchungen, wie zum Beispiel Röntgenuntersuchungen oder Untersuchungen mit einem Computertomografen (CT), zurückgreifen.


Wie wird ein Hexenschuss behandelt?


Die Behandlung des Hexenschusses richtet sich nach seinem Auslöser. In den meisten Fällen sind Gelenkseinklemmungen oder Muskelverspannungen die Ursache und heilen oft von selbst wieder ab. Hier kann lediglich eine unterstützende Behandlung durchgeführt werden:


  • Vermeiden von Schonhaltungen
  • Behandlung der Verspannung
  • Behandlung der Schmerzen

1) Vermeiden von Schonhaltungen

Viele Betroffene nehmen nach Auftreten eines Hexenschusses Schonhaltungen ein. Durch das Verkrampfen der Muskulatur beschreiben sie eine „Sperre“ im Bereich der Lendenwirbelsäule und nehmen gekrümmte Körperhaltungen ein, um die Schmerzen zu lindern. Allerdings führen solche Körperhaltungen, auch wenn sie kurzfristig eine Linderung der Schmerzen bewirken können, zu einem zusätzlichen Verkrampfen der Rückenmuskulatur. Es entsteht ein Teufelskreis aus Schmerz und Verspannung, der am besten durch die direkte Behandlung der Verspannung und der Schmerzen durchbrochen werden kann.


2) Behandlung der Verspannung

Unmittelbar nachdem es zum Auftreten eines Hexenschusses kommt, kann es helfen, das betroffene Gebiet mit Wärme zu behandeln. Hier kommen zum Beispiel Wärmflaschen, Wärmkissen oder warme Wickel in Frage. Auch bestimmte Körperlagen können helfen, die Verspannung zu lindern. So führt etwa die Stufenbettlagerung, bei der man erst etwa 20 Minuten auf einer ebenen Unterlage auf dem Rücken liegt und danach die Beine in einen rechten Winkel bringt (zum Beispiel Lagerung der Unterschenkel auf einem Stuhl), zu einer Entspannung der Rückenmuskulatur und des Ischiasnervs.


3) Behandlung der Schmerzen

Zur Behandlung der Schmerzen einer Lumbago werden meist sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Medikamenten, die sowohl entzündungshemmende als auch schmerzstillende Eigenschaften besitzen. Vertreter dieser Gruppe von Medikamenten sind Ibuprofen und Diclofenac. Zur Abklärung der vertretbaren Dosis und möglicher Nebenwirkungen sollte man vor Einnahme dieser Medikamente mit dem Arzt Rücksprache halten.


In manchen Fällen verschreibt der Arzt auch andere entzündungshemmende (Cortisol) oder muskelentspannende (Muskelrelaxantien) Medikamente.


Ist ein Bandscheibenvorfall der Auslöser des Hexenschusses, so sollte dieser behandelt werden. Hierzu kommen, je nach Ausprägung des Vorfalls, schmerz- und entzündungshemmende Injektionen bis hin zu Operationen der Wirbelsäule in Frage.


Führt eine andere Erkrankung, zum Beispiel die Rheumatoide Arthritis, zum Auftreten des Hexenschusses, so sollte die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden.


Kann man einem Hexenschuss vorbeugen?


Eine geschwächte Rückenmuskulatur begünstigt das Auftreten von Gelenkseinklemmungen und Muskelverspannungen. Regelmäßiges Training der Rückenmuskulatur kann helfen, dem Hexenschuss vorzubeugen. Hierzu kommen verschiedene Trainingsmethoden, zum Beispiel Yoga, Krankengymnastik, Physiotherapie oder Massagen in Frage. Auch ein allgemein aktiver Lebensstil hilft, Hexenschüssen vorzubeugen.


Der Hexenschuss ist eine Erkrankung, die zu einer plötzlich auftretenden extremen Belastung für Betroffene führt. Doch obwohl die Schmerzen sehr stark sein können, heilen sie meist von selbst wieder ab. Und auch länger anhaltende Episoden können in Zusammenarbeit mit dem Arzt effektiv behandelt werden.


Quellen:


Koes, B. W., van Tulder, M., Lin, C. W. C., Macedo, L. G., McAuley, J., & Maher, C. (2010). An updated overview of clinical guidelines for the management of non-specific low back pain in primary care. European Spine Journal, 19(12), 2075-2094. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s00586-010-1502-y, aufgerufen am 17.04.16


Siewert, J. R. (2013). Chirurgie. Springer-Verlag.


Allan, D. B., & Waddell, G. (1989). An historical perspective on low back pain and disability. Acta Orthopaedica Scandinavica, 60(sup234), 1-23. http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.3109/17453678909153916, aufgerufen am 17.04.16


Becker, A., Chenot, J. F., Niebling, W., & Kochen, M. M. (2004). Leitlinie „Kreuzschmerzen”. Zeitschrift für Orthopädie und ihre Grenzgebiete, 142(06), 716-719. Link: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-2004-832488, aufgerufen am 17.04.16




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Krankheitsbild Hexenschuss. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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