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Mandelentzündung




Akute und chronische Entzündungen der Mandeln sind ein häufiger Grund für Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte. Man geht davon aus, dass eine durch Bakterien ausgelöste akute Mandelentzündung (Tonsillitis oder Angina tonsillaris) für etwa fünf Prozent der Arztbesuche verantwortlich ist. Was kennzeichnet eine Mandelentzündung, wie kommt sie zustande und wie wird sie behandelt?


Was sind die Mandeln?


Die Mandeln, in der Fachsprache als Tonsillen bezeichnet, sind ein Teil des Immunsystems. Sie agieren als eine Art „Wachstation“, indem sie durch Mund und Nase aufgenommenes auf Krankheitserreger untersuchen und eine Reaktion des Körpers einleiten. Es gibt verschiedene Mandeln, die alle Teil des sogenannten Waldeyerschen Rachenrings sind:


  • Gaumenmandeln (Tonsilla palatina)
  • Rachenmandeln (Tonsilla pharyngea)
  • Zungengrundmandeln (Tonsilla lingualis)
  • Seitenstränge (Plica tubopharyngica)

Wie kommt es zu einer Mandelentzündung?


Die Mandeln sind durch ihre Immunfunktion in ständigem Kontakt mit Bakterien und Viren. Deshalb ist es nicht außergewöhnlich, dass sie auch bei gesunden Patienten gerötet oder leicht vergrößert sind. Erst, wenn zusätzliche Symptome wie Schluckschmerzen und Fieber auftreten, spricht der Arzt von einer Mandelentzündung.


Welche Formen der Mandelentzündung gibt es?


Es werden akute und chronische Entzündungen der Mandeln unterschieden. Eine akute Mandelentzündung wird hauptsächlich von Viren hervorgerufen. Nur selten sind Bakterien die Ursache.


Der Begriff „chronische Mandelentzündung“ ist irreführend. Es handelt sich hierbei nicht um eine dauerhafte Entzündung der Mandeln, sondern um immer wieder auftretende Infekte. Deshalb spricht der Mediziner von rezidivierenden (wiederkehrenden) Mandelentzündungen.


Je nach Auslöser der Mandelentzündung werden viele weitere Formen der Angina unterschieden (Tab. 1).


Was sind die Symptome einer Mandelentzündung?


Sind die Mandeln entzündet, kommt es zu starken Schmerzen im Gaumen und Rachen, die sich bei weiter Öffnung des Mundes verstärken. Die Schmerzen können bis in die Ohren ausstrahlen. Meist sind die Mandeln stark gerötet und geschwollen, unter Umständen findet sich ein weißer Belag. Das Schlucken ist durch die geschwollenen Mandeln erschwert und schmerzhaft. Ist die Schleimhaut des tiefen Rachens und Kehlkopfes ebenfalls geschwollen, kann es zu Atembeschwerden und Atemnot kommen.


Eine wichtige Komplikation der akuten Mandelentzündung ist der sogenannte Peritonsillarabszess. Hierbei handelt es sich um eine Einschmelzung von Eiter und Bakterien im Bereich um die entzündeten Mandeln herum. Meist tritt der Abszess einige Tage nach Beginn einer Mandelentzündung auf. Es kommt zu sehr starken, einseitigen Schmerzen, die die Nahrungsaufnahme und das Schlucken behindern. Zusätzlich zeigen Betroffene hohes Fieber und geben ein ausgeprägtes allgemeines Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit und Schwäche an.


Angina-Typ Auslöser Symptome
Akute Mandelentzündung Hauptsächlich Viren, selten Bakterien Schmerzen, Schluckbeschwerden, kloßige Sprache
Rezidivierende Mandelentzündung Bakterien, häufig Streptokokken Wiederkehrende Mandelentzündungen, belegte Mandeln, Mundgeruch
Seitenstrang-Angina Hauptsächlich Viren Entzündung der Seitenstränge, meist milderer Verlauf als akute Mandelentzündung
Angina Plaut-Vincent Bakterien Großflächige, grau-weiße Beläge der Mandeln, Mundgeruch, Schmerzen
Diphterie-Angina, auch: Echter Krupp Diphterie-Bakterien Weiß-braune, blutige Beläge, Mundgeruch nach Aceton, starkes allgemeines Krankheitsgefühl
Scharlach-Angina Bakterien (Streptokokken) Fieber, Hautausschlag, Entzündung der Mandeln
Herpangina Viren (Coxsackie-A-Viren) Brennende Hals- und Schluckschmerzen, Fieber, Kopfschmerzen

Tab. 1: Ursachen und Symptome der verschiedenen Angina-Typen


Wie stellt der Arzt die Diagnose Mandelentzündung?


Ein Arzt kann die Diagnose „Mandelentzündung“ häufig schon durch die charakteristischen Beschwerden und Symptome stellen. Bei der Untersuchung des Rachens fallen zu Beginn der Mandelentzündung gerötete und geschwollene Mandeln auf (Angina catarrhalis), die mit zunehmender Beschwerdedauer weiß und weißgrau belegt sind (Angina lacunaris). Häufig wird der Arzt auch die Ohren untersuchen, um eine gleichzeitige Entzündung der Mittelohren auszuschließen.


Treten diese Symptome häufiger auf und ergibt sich dadurch für den Patienten eine große Belastung, ist von einer chronischen oder rezidivierenden Mandelentzündung auszugehen.


Wie wird die Mandelentzündung behandelt?


Bei der Behandlung von Mandelentzündungen wird zwischen leichten und schweren Formen der Mandelentzündung unterschieden. Auch das Alter des Patienten spielt eine Rolle. Generell gilt: bei Kinder unter 15 Jahren sollte bei Verdacht auf eine Mandelentzündung immer ein HNO-Arzt zu Rate gezogen werden.


1) Therapie einer leichten Mandelentzündung


Ein gesunder Erwachsener kann eine leichte Mandelentzündung selbst behandeln. Sollten die Beschwerden jedoch länger als zwei Tage anhalten oder sich verstärken, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.


Die Halsschmerzen können mit schmerzstillenden Lutschtabletten, Tees, Gurgel-Lösungen und Rachensprays behandelt werden. Fieber kann durch die Einnahme sogenannter nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR), zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen, gesenkt werden. Diese Medikamente wirken zusätzlich schmerzstillend.


Außerdem ist es wichtig, möglichst viel zu trinken – sofern keine Krankheit besteht, die das ausschließt (zum Beispiel Herzinsuffizienz). Kalte Tees und Wasser sind hier Mittel der Wahl, um dem Flüssigkeitsverlust durch Fieber und Schwitzen entgegen zu wirken.


Bei der Nahrungsaufnahme sollte darauf geachtet werden, weiche und kühle Nahrungsmittel zu bevorzugen. So stellt man sicher, dass die Mandeln nicht weiter gereizt werden und sich die Entzündung verschlimmert. Die Schluckschmerzen können durch Speiseeis gelindert werden.


2) Therapie der schweren Mandelentzündung


Sollten die Maßnahmen zur Behandlung einer leichten Mandelentzündung nicht erfolgreich sein oder die Symptome sich verschlechtern, ist es sinnvoll, die Mandelentzündung mit Antibiotika zu behandeln. Diese verhindern das Vermehren von Bakterien und helfen dem Immunsystem so, die Entzündung zu bekämpfen. Auch bei einer durch Viren verursachten schweren Angina kann es sinnvoll sein, eine Behandlung mit Antibiotika durchzuführen. Dies dient vor allem dazu, zu verhindern, dass es durch das geschwächte Immunsystem zusätzlich zu einer Infektion mit Bakterien kommt. Die Wahl des richtigen Antibiotikums wird durch den Arzt getroffen.


Kommt es öfter zu Entzündungen der Mandeln, kann der Arzt eine Entfernung der Mandeln empfehlen (Tab. 2).


Anzahl der Mandelentzündungen Empfehlung zur Entfernung
< 3 Mandelentzündungen in 12 Monaten Entfernung nicht zu empfehlen
3 – 5 Mandelentzündungen in 12 Monaten Mandelentfernung kann erwogen werden, wenn es nach diesem Zeitraum zu weiteren Entzündungen kommt
> 5 Mandelentzündungen in 12 Monaten Entfernung sollte erwogen werden

Tab. 2: Empfehlungen zur Mandelentfernung


Vielen Patienten mit wiederkehrenden Infekten der Mandeln kann durch eine Mandelentfernung geholfen werden. Allerdings kann eine Mandeloperation Beschwerden mit sich bringen wie Schmerzen und Nachblutungen. Auch die Vollnarkose, unter der Mandeloperationen in der Regel durchgeführt werden, birgt Risiken.


Entzündungen der Mandeln sind häufige und belastende Erkrankungen. Es ist wichtig, eine Mandelentzündung früh zu erkennen, um sie zu behandeln oder einen Arzt aufzusuchen. Wird eine Mandelentzündung rechtzeitig behandelt, lassen sich die Beschwerden effektiv bekämpfen.


Quellen:


Windfuhr, J. P., Toepfner, N., Steffen, G., Waldfahrer, F., & Berner, R. (2016). Clinical practice guideline: tonsillitis I. Diagnostics and nonsurgical management. European Archives of Oto-Rhino-Laryngology, 1-15. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s00405-015-3872-6 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 20.01.16


Boenninghaus, H. G., & Lenarz, T. (2007). HNO. Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.


Millington, A. J., & Phillips, J. S. (2014). Current trends in tonsillitis and tonsillectomy. Annals of The Royal College of Surgeons of England, 96(8), 586-589. Link: http://publishing.rcseng.ac.uk/doi/10.1308/003588414X13946184901966, aufgerufen am 20.01.16


Stelter, K. (2014). Tonsillitis and sore throat in children. GMS current topics in otorhinolaryngology, head and neck surgery, 13. Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4273168/pdf/CTO-13-07.pdf, aufgerufen am 21.01.16




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Mandelentzündung. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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