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Mittelohrentzündung




Die Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Ursachen für Hausarztbesuche bei Kindern. Fast jedes Kind hat einmal eine Mittelohrentzündung, am häufigsten tritt sie zwischen dem sechsten und dem elften Lebensjahr auf. Bei Erwachsenen kommt die von Medizinern als „Otitis media“ bezeichnete Erkrankung auch vor, jedoch deutlich seltener als bei Kindern. Was ist eine Mittelohrentzündung, welche Symptome bringt sie mit sich und wie kann man sie behandeln?


Was ist eine Mittelohrentzündung?


Die Mittelohrentzündung oder Otitis media ist eine meist durch Viren oder Bakterien bedingte Entzündung der Schleimhäute, die das Mittelohr aufbauen. Man kann das Ohr grob in drei Abschnitte Unterteilen:


  • Die Ohrmuscheln und der äußere Gehörgang
  • Das Mittelohr
  • Das Innenohr

An den äußeren Gehörgang schließt sich das Trommelfell an und stellt den Übergang von äußerem Ohr zum Mittelohr dar. Funktionell wird es zum Mittelohr gezählt. Im Mittelohr befinden sich die Gehörknöchelchen, die wegen ihrem Aussehen als Hammer, Amboss und Steigbügel bezeichnet werden. Sie leiten Schallimpulse vom Trommelfell an das Innenohr weiter. In das Mittelohr mündet auch die Ohrtrompete (oft als Eustachische Röhre oder Tuba auditiva bezeichnet), die eine Verbindung zum Nasenrachenraum herstellt. Sie dient dem Druckausgleich zwischen Mittelohr und Umgebung und spielt bei der Entstehung der Mittelohrentzündung eine wichtige Rolle.


Wie entsteht eine Mittelohrentzündung?


Mittelohrentzündungen sind meist sogenannte rhinogene Entzündungen. Das heißt, sie entstehen indem sich eine Entzündung des Nasenrachenraumes in das Mittelohr ausbreitet. Meist sind Viren (zum Beispiel das Grippevirus) die Auslöser einer solchen Entzündung, in selteneren Fällen kann sie auch durch Bakterien (Haemophilus influenzae, Streptokokkus pneumoniae) verursacht werden. Besiedeln die Erreger den Nasenrachenraum, etwa im Rahmen einer Erkältung, können sie über die Eustachische Röhre in das Mittelohr gelangen. Dort vermehren sie sich weiter und führen zu einer Entzündung der Schleimhaut, die das Mittelohr auskleidet.


Bei Verletzungen des Trommelfells kann es dazu kommen, dass Erreger über den äußeren Gehörgang durch das Trommelfell ins Mittelohr gelangen und dort zu einer Entzündung führen. Diese Ursache einer Mittelohrentzündung ist selten.


Was sind die Symptome einer Mittelohrentzündung?


Eine akute Entzündung des Mittelohres kann sehr unterschiedlich verlaufen. In vielen Fällen führt sie lediglich zu schwachen Schmerzen und einer kurzfristigen Entzündungsreaktion, die vom Arzt bei der Betrachtung des Trommelfells festgestellt werden kann. In schweren Fällen kann es allerdings zu einer fulminanten Entzündung kommen, die hohes Fieber und starke Schmerzen verursacht.


Die Schmerzen sind bei einer Mittelohrentzündung meist pochend, liegen tief im Ohr und können von betroffenen genau lokalisiert werden. Auch eine vorübergehende Schwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr kann das Symptome einer Mittelohrentzündung sein. Da die Entzündung häufig mit einer Erkältung einhergeht, treten zusätzlich Symptome wie Fieber, laufende oder verstopfte Nase, Husten und Halsschmerzen auf.


Die Schwerhörigkeit, zu der oft ein Ohrenrauschen tritt, entsteht durch den Verschluss der Eustachischen Röhre im Rahmen der Entzündung. Sie kann ihrer Funktion, dem Druckausgleich mit der Umgebung, dann nicht mehr gerecht werden und ein Unterdruck im Mittelohr entsteht. Durch diesen Unterdruck in Verbindung mit der Entzündung kommt es zu einem Austreten von Gewebeflüssigkeit in die Höhle des Mittelohres (Paukenhöhle). Die nun mit Flüssigkeit gefüllte Paukenhöhle kann ihre Aufgabe in der Schallweiterleitung nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erfüllen, es kommt zu einer vorübergehenden Verminderung des Hörvermögens.


Wie stellt der Arzt die Diagnose Mittelohrentzündung?


Die Äußerung von Beschwerden wie Ohrenschmerzen, Schwerhörigkeit und Erkältungsgefühl gibt dem Arzt einen Hinweis auf das Vorliegen einer Mittelohrentzündung. Bei Säuglingen und kleinen Kindern, die keine genauen Angaben zu ihren Beschwerden machen können, ist die Diagnosestellung oft erschwert.


Bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung wird der Arzt eine Untersuchung des Ohres mit einem sogenannten Otoskop durchführen. Mit dessen Hilfe kann er das Trommelfell ausgiebig betrachten und auf Hinweise für eine Entzündung untersuchen. Diese Hinweise sind unter anderem eine Rötung und Schwellung des Trommelfells oder eine vermehrte Zeichnung von Blutgefäßen auf dem Trommelfell. Außerdem wird der Arzt den Nasenrachenraum untersuchen, um sich ein Bild über das Ausmaß der Entzündung zu machen.


Bei starkem Krankheitsgefühl kann der Arzt eine Blutentnahme erwägen, um das Blut auf Entzündungsmarker zu untersuchen und so die Schwere der Entzündung einzuschätzen. Außerdem kann er versuchen, mit Hilfe von Abstrichen aus Ohr und Nase die auslösenden Erreger zu entdecken. Solche Abstriche führen allerdings nur selten zu der Identifikation des Erregers, da vor allem die Nase mit einer Vielzahl von Bakterien besiedelt ist, von denen die meisten nicht zu einer Erkrankung führen.


Bildgebende Untersuchungen wie zum Beispiel eine Computertomographie (CT) sind nur in Ausnahmefällen notwendig, etwa wenn Komplikationen wie eine Ausbreitung der Entzündung vermutet werden.


Zu welchen Komplikationen kann eine Mittelohrentzündung führen?


Eine schwere Mittelohrentzündung kann auf das Schläfenbein übergreifen und dort eine Entzündung verursachen. Diese wird als Mastoiditis bezeichnet. Außerdem kann es zu einer Entzündung des Innenohres und zu einer Hirnhautentzündung kommen.


Wie wird eine Mittelohrentzündung behandelt?


Sind Viren der Auslöser für die Entzündung, heilt sie oft innerhalb der ersten Tage von selbst wieder ab. Schwere oder durch Bakterien verursachte Entzündungen bedürfen einer ärztlichen Behandlung. Diese besteht zum einen aus einer unterstützenden Therapie mit fiebersenkenden und schmerzstillenden Medikamenten. Hier kommen oft die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz. Medikamente aus dieser Gruppe sind zum Beispiel Ibuprofen und Paracetamol. Auch abschwellende Nasentropfen können helfen, die Symptome der Mittelohrentzündung zu lindern. Vor allem bei Kindern sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.


Darüber hinaus sollte bei bakteriellen Entzündungen ein Antibiotikum verschrieben werden. Das Standard-Antibiotikum zur Therapie der Mittelohrentzündung ist Amoxicillin, das für fünf bis sieben Tage eingenommen wird.


Treten Komplikationen wie etwa eine Mastoiditis auf, so müssen diese im Rahmen einer Operation behandelt werden. Der Arzt eröffnet das Schläfenbein und trägt teile der entzündeten Region ab, um eine Ausbreitung der Erreger zu verhindern.


Bei rechtzeitig begonnener Therapie ist das auftreten von Komplikationen allerdings überaus selten.


Bestehen zwei bis vier Wochen nach Therapiebeginn immer noch Symptome, sollte unbedingt eine erneute Diagnostik erfolgen, um eine fortschreitende Entzündung und Komplikationen auszuschließen.


Die Mittelohrentzündung ist eine häufig auftretende Erkrankung, die oft von selbst ausheilt. Bei schweren Verlaufsformen kann durch den Arzt eine antibiotische Therapie eingeleitet werden, die zum Abklingen der Entzündung führt. Doch gerade bei Kindern ist es wichtig, aufmerksam auf die Symptome einer Mittelohrentzündung zu achten und rechtzeitig mit der Therapie zu beginnen, um mögliche Komplikationen und Spätfolgen zu vermeiden.


Quellen:


Bootz, F. (2008). Otitis media und ihre Komplikationen. Monatsschrift Kinderheilkunde, 156(6), 531-539. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s00112-008-1767-y (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 04.04.16


Boenninghaus, H. G., & Lenarz, T. (2006). Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer-Verlag.


Rovers, M. M., Schilder, A. G., Zielhuis, G. A., & Rosenfeld, R. M. (2004). Otitis media. The Lancet, 363(9407), 465-473. Link: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673604154950 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 04.04.16


American Academy of Pediatrics Subcommittee on Management of Acute Otitis Media. (2004). Diagnosis and management of acute otitis media. Pediatrics, 113(5), 1451. Link: http://pediatrics.aappublications.org/content/113/5/1451.long, aufgerufen am 04.04.16


https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14962529




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Mittelohrentzündung. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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