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MRSA




MRSA nennt man ein multiresistentes Bakterium der Art Staphylococcus aureus, das heißt, einen Krankheitserreger, der mit vielen gängigen Antibiotikaklassen nicht behandelt werden kann. Viele Menschen sind Träger von MRSA, ohne dass Symptome auftreten. Solche resistenten Erreger verbreiten sich meist an Orten, an denen häufig Antibiotika verwendet werden, vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, aber auch in landwirtschaftlichen Betrieben, in denen der Einsatz dieser Medikamente zur Steigerung des Ertrages dient. Seit vielen Jahren versucht die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut die MRSA-Infektionsraten in Krankenhäusern zu senken. Oft sind ungenügende Hygienebedingungen und eine zu geringe Zahl von Screenings für hohe Infektionsraten verantwortlich.


Was bedeutet „MRSA“?


Die Abkürzung „MRSA“ steht für Methicillin-resistente Staphylococcus aureus. Staphylococcus aureus ist eine grampositive Bakterienart, die sehr häufig vorkommt und mitunter die Häute und Schleimhäute von Warmblütern besiedelt. Etwa 30 Prozent der Menschen sind nachweislich Träger von Staphylococcus aureus. Diese spezielle Mutation des Bakteriums allerdings ist gegen ein Antibiotikum namens Methicillin unempfindlich. Methicillin wirkt bakterizid, das heißt es tötet den Erreger durch Zerstörung seiner Zellwand ab. Die meisten Methicillin-resistenten Keime haben zusätzlich Resistenzen gegen andere Antibiotikaklassen entwickelt. Auch wenn Staphylokokken nur in Ausnahmefällen Krankheiten verursachen, werden MRSA zunehmend zum Problem. In Umgebungen, in denen häufig Antibiotika zur Behandlung von Erkrankungen zum Einsatz kommen, haben diese Erreger einen evolutionären Selektionsvorteil. Sie breiten sich ungehindert aus und verursachen unter Umständen tödliche Infektionskrankheiten bei geschwächten Patienten.


Erstmals wurde der Erreger 1964 von britischen Forschern beschrieben. Zunächst verbreitete er sich vor allem in Krankenhäusern (hospital acquired MRSA). Seit den 1990er Jahren wurde er allerdings auch außerhalb solcher Einrichtungen nachgewiesen (community acquired MRSA). Seit 2005 wird er vermehrt in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung zum Problem (livestock associated MRSA). Dort werden Antibiotika häufig zur präventiven Behandlung der Tiere eingesetzt. Die Keime besiedeln deren Fleisch, Milchprodukte und auch Menschen, die mit den Tieren regelmäßig in Kontakt kommen.


Welche Symptome verursacht MRSA?


Man unterscheidet zwischen MRSA-Trägern und Patienten, bei denen es infolge einer Infektion zu Entzündungssymptomen kommt. Staphylococcus aureus agiert nur in Ausnahmefällen pathogen. Deshalb sind die meisten Menschen, deren Häute und Schleimhäute nachweislich kolonisiert sind, beschwerdefrei. Sie sind lediglich Träger des Keims. Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem, mit offenen Wunden oder bestimmten Erkrankungen kann es allerdings zu Infektionssymptomen kommen. Solche MRSA-Infektionen kommen vor allem auf chirurgischen Intensivstationen, in Zentren für Brandverletzungen und auf Neugeborenenstationen vor. Man spricht dann von einer nosokomialen Infektion. Unterschiedliche Körperregionen und Organe können betroffen sein, zum Beispiel Haut, Harnwege, und offene Wunden. In einigen Fällen kann sogar eine Lungenentzündung oder eine Sepsis (Blutvergiftung) auftreten.


Einige Menschen sind durch MRSA besonders gefährdet. Dazu gehören Patienten, die sich über längere Zeit in einem Krankenhaus oder Pflegeheim aufhalten, Dialyse-Patienten, Diabetiker, Patienten mit einem geschwächten Immunsystem, intubierte Patienten oder solche mit einem Katheter und Patienten mit offenen Wunden.


Wie diagnostiziert man eine MRSA-Infektion?


2005 ließen sich zwei am Robert-Koch-Institut beschäftigte Forscher eine einfache nicht-invasive Methode zum Nachweis des MRSA-Erregers patentieren. Mithilfe eines Abstrichs kann der Keim labordiagnostisch nachgewiesen werden. Nur bei Patienten, die an einer schweren Erkrankung aufgrund einer MRSA-Infektion leiden, werden auch Blut oder Rückenmarksflüssigkeit getestet.


Testen lassen sollten sich nicht nur Risikopatienten, sondern auch Menschen, die häufig mit chronisch Kranken in Berührung kommen sowie Landwirte und Personen, die in der Masttierhaltung tätig sind. Krankenhauspersonal wird in Deutschland in der Regel nur dann auf MRSA untersucht, wenn der Erreger bei mehr als zwei Patienten nachgewiesen wurde. Wer ein MRSA-Träger ist, ist potentieller Überträger und sorgt für die Verbreitung des gefährlichen Bakteriums. Deshalb ist es sinnvoll, auch den Hausarzt oder den behandelnden Arzt über eine MRSA-Kolonisation zu informieren. Diese Möglichkeit bietet das Gesundheitskonto von vitabook. Dort können Testergebnisse und Laborbericht hinterlegt werden. Bei mangelnder medizinischer Indikation werden Abstrich und Laborauswertung nicht von den Krankenkassen übernommen. Wie hoch die Kosten ausfallen, hängt davon ab, ob es sich um einen Schnelltest oder um ein Standardtestverfahren handelt.


Wie behandelt man MRSA?


Zur Behandlung von MRSA werden meist sogenannte Reserveantibiotika eingesetzt, das heißt Antibiotika, gegen die der Erreger aufgrund ihrer geringen Verschreibungsrate mutmaßlich keine Resistenzen entwickeln konnte. In der Regel handelt es sich dabei um Vancomycin, Linezolid oder Daptomycin. Um sicherzugehen, dass das Bakterium auf den entsprechenden Wirkstoff anspricht, sollte ein Antibiogramm erstellt werden. Dabei wird der Erreger im Labor den verschiedenen zur Verfügung stehenden Antibiotika ausgesetzt. Das Medikament, das nachweislich die größte Wirkung erzielt, wird dann dem Patienten verabreicht. Staphylokokkus-Infektionen sind allerdings auch ohne dass Antibiotika-Resistenzen vorliegen oft langwierig und chronifizieren sich häufig, gerade dann, wenn die Atemwege oder die Gehörgänge befallen sind. Die Behandlung von MRSA erfordert deshalb viel Geduld und Durchhaltevermögen.


Auch Träger des Bakteriums sollten unter Umständen eine Behandlung in Erwägung ziehen, obwohl der Erreger in vielen Fällen auf natürliche Weise vom Immunsystem vernichtet wird. Dazu eigenen sich spezielle Schleimhautsalben für die Nase oder Waschlotionen für die Haut. Man nennt eine solche Behandlung Eradikation oder Sanierung.


Wie kann man sich vor MRSA schützen?


MRSA verbreitet sich vor allem über Hautkontakt, aber auch durch die Berührung kontaminierter Gegenstände wie zum Beispiel Türklinken, Telefonhörer oder Aufzugknöpfe. Zudem überträgt sich Staphylococcus aureus auch vom Tier auf den Menschen, nämlich dann, wenn kolonisiertes Fleisch verzehrt oder wenn direkter Körperkontakt mit dem Tier hergestellt wird. Um sich vor MRSA zu schützen, ist eine gründliche und regelmäßige Handhygiene mit Seife und warmem Wasser die wichtigste Maßnahme. Bei einem Besuch im Krankenhaus sollte das dort zur Verfügung gestellte Desinfektionsmittel zu Beginn und am Ende des Aufenthalts verwendet werden. Offene Wunden sind potentielle Eintrittsstellen und sollten daher stets gut abgedeckt sein.


Neben dem unmittelbaren Schutz vor einer Infektion kann jeder Einzelne dazu beitragen, die Weiterentwicklung und Ausbreitung des Erregers nicht zu fördern. Antibiotika sollten immer nur dann eingenommen werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Dabei ist die korrekte Befolgung der Einnahmeempfehlung des behandelnden Arztes besonders wichtig. Wer Antibiotika zu früh absetzt, riskiert die Bildung von Resistenzen.


Wie kann die Ausbreitung von MRSA eingedämmt werden?


Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu etwa 10.000 bis 15.000 Todesfällen durch multiresistente Krankenhauskeime. Das Robert-Koch-Institut gibt allerdings zu bedenken, dass diese Statistik nur eine grobe Schätzung ist. Die meisten Patienten, die an einer sich verschlimmernden MRSA-Infektion leiden, sind auch anderweitig erkrankt. Inwieweit der Erreger oder die Grunderkrankung den Tod verursachen, ist nicht immer genau feststellbar. Laut dem Infektionsschutzgesetz ist MRSA hierzulande meldepflichtig, wenn das Bakterium im Blut oder in der Rückenmarksflüssigkeit nachgewiesen wird. Verschiedene Screening- und Surveillance-Systeme sorgen für die strenge Einhaltung von Hygienevorschriften im Gesundheitswesen und die regelmäßige Testung von Personal und Patienten. Betroffene werden konsequent isoliert und behandelt. Der Antibiotika-Einsatz soll in Zukunft noch stärker reguliert werden. Die Erforschung neuer Wirkstoffe gegen MRSA ist außerdem erforderlich. Die Resistenzraten bei Staphylococcus arueus sinken in den letzten Jahren in Deutschland dank der umfangreichen Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung kontinuierlich. Während 2010 noch 20,8 Prozent aller Staphylokokken in Blutkulturen Resistenzen aufwiesen, waren es 2013 nur noch 12,8 Prozent.


Quellen


Bundesministerium für Gesundheit, „MRSA“: http://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/infektionskrankheiten/mrsa.html (aufgerufen am 14.02.2017)


Robert Koch Institut, „Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2015“, S. 168ff: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahrbuch_2015.pdf?__blob=publicationFile (aufgerufen am 14.02.2017)


Robert Koch Institut, „Schneller Nachweis von multiresistenten Krankheitserregern“: http://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2005/16_05.html (aufgerufen am 14.02.2017)


Rolinson, G. N., Sutherland, R. (1964). Characteristics of Methicillin-resistant Staphylococci: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14137628?dopt=Abstract (aufgerufen am 14.02.0217)


Waters, A. E., Contente-Cuomo, T., Buchhagen, J., Liu, C. M., Watson, L., Pearce, K., Foster, J. T., Bowers, J., Driebe, E. M., Engelthaler, D. M., Keim, P. S., Price, L. B. (2011). Multidrug-Resistant Staphylococcus aureus in US Meat and Poultry: https://academic.oup.com/cid/article-lookup/doi/10.1093/cid/cir181 (aufgerufen am 14.02.2017)




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema MRSA. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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