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Nagelpilz




Die Ansteckung mit Nagelpilzen ist eine weit verbreitete Erkrankung. Im Alter über 65 Jahren leidet jeder Zweite unter einem Nagelpilz, in der allgemeinen Bevölkerung etwa jeder Fünfte. Die Nagelpilz-Erkrankung zählt damit zu den Volkskrankheiten. Was sie von anderen Erkrankungen dieser Gruppe unterscheidet: Nagelpilze sind relativ harmlos und gut behandelbar.


Wie entsteht eine Nagelpilz-Erkrankung?


Die Nagelpilz-Erkrankung wird in der Fachsprache als Onychomykose bezeichnet. Sie entsteht, wenn bestimmte Pilze sich in Finger- oder Zehennägeln ausbreiten. Diese Pilze werden einer von drei Gruppen zugeteilt, die den Menschen befallen können:


  • Dermatophyten
  • Hefepilze
  • Schimmelpilze

Pilzart Beschreibung
Dermatophyten Fadenpilze, die Infektionen der Haut, sogenannte Dermatomykosen, auslösen
Hefepilze Sprosspilze, bekanntester Vertreter ist der Hefepilz Candida albicans
Schimmelpilze Am häufigsten auf verderbenden Lebensmittel, einige Arten lösen Krankheiten beim Menschen aus

Tab.1: Arten von Pilzen, die den Menschen befallen


Der Großteil der Nagelpilz-Erkrankungen wird durch Dermatophyten hervorgerufen. In etwa 90 Prozent der Fälle handelt es sich hierbei um den Pilz Trichophyton rubrum. Hefe- und Schimmelpilze befallen Nägel nur in Kombination mit Dermatophyten, was die Behandlung erschwert.


Viele Nagelpilzerkrankungen entstehen, weil sich Pilze oft jahrelang unbemerkt auf Hand- und Fußflächen befinden und von dort aus auf die Nägel übergreifen. Eine Infektion der Fußnägel ist etwa vier Mal so häufig wie eine Infektion der Fingernägel, denn die feuchte Umgebung innerhalb von Schuhen und Strümpfen bietet den Pilzen optimale Wachstumsbedingungen.


Was sind die Symptome einer Nagelpilz-Erkrankung?


Am häufigsten fällt bei Befall mit einem Nagelpilz eine farbliche Veränderung der Nägel auf. Der normale Ton weicht weißlichen, gelblichen oder gelblich-bräunlichen Verfärbungen. Auch die Beschaffenheit der Nägel verändert sich durch den Pilzbefall, denn die Pilze ernähren sich von dem Hauptbestandteil der Nägel, dem Keratin, und lockern so dessen Struktur. Die Nägel werden spröde und porös, es kommt zu Verdickungen und Aufsplitterungen der Nagelplatte oder des Nagelbettes.


Die Verfärbungen und anderen Veränderungen sind allerdings auf die Nägel beschränkt, ein Befall der Nagelumgebung ist äußerst selten. Ein Nagelpilz kann häufig aus einem Fußpilz entstehen und umgekehrt, da die Erreger die gleichen sind. Als erstes ist oft die große Zehe von der Pilzinfektion betroffen.


Mediziner unterscheiden vier Varianten der Nagelpilz-Erkrankung, die sich vor allem durch den unterschiedlichen Ausbreitungsgrad der Pilze auszeichnen:


  • Fußferne Nagelpilz-Infektion unterhalb des Nagels (Distale Subunguale Onychomykose, DSO)
  • Fußnahe Nagelpilz-Infektion unterhalb des Nagels (Proximale Subunguale Onychomykose, PSO)
  • Oberflächliche, weiße Nagelpilz-Infektion (Superfizielle weiße Onychomykose, SWO)
  • Totale nagelzerstörende Nagelpilz-Infektion (Totale Dystrophische Onychomykose, TDO)

Form der Nagelpilz-Erkrankung Beschreibung
Distale Subunguale Onychomykose, DSO Häufigste Form der Nagelpilz-Erkrankung, meist an einer Ecke des Nagels beginnend, kann sich über den gesamten Nagel ausbreiten
Proximale Subunguale Onychomykose, PSO Nagelpilz-Erkrankung mit Befall des Nagelbettes, Beginn am Nagelrücken und Ausbreitung über die Nagelwurzel
Superfizielle weiße Onychomykose Hauptsächlich Befall der Nageloberfläche, nicht der tieferen Nagelschichten, weißliche Verfärbung des Nagels; häufigster Erreger: Trichophyton mentagrophytes
Totale Dystrophische Onychomykose Vollständiger Pilzbefall des gesamten Nagels mit Zerstörung von großen Teilen des Nagels

Tab.2: Formen von Nagelpilz-Erkrankungen


Schmerzen treten bei einer Infektion mit Nagelpilzen nur selten auf. Die Nägel sind nicht durch Nerven versorgt, deshalb ist ein Befall der Nägel mit Pilzen nicht schmerzhaft. Formveränderungen können allerdings dazu führen, dass sich Teile von Nägeln in die Haut bohren und Schmerzen verursachen. Auch ein Befall des Nagelbettes, das durch Hautnerven versorgt wird, kann zu Schmerzen führen.


Durch die Schädigung des Nagels wird auch das Eindringen von Bakterien und Viren erleichtert, die eine Entzündung des Nagelbettes auslösen können. Eine solche Entzündung fällt durch eine schmerzhafte Schwellung und Rötung des Nagelbettes auf. Außerdem ist der gesamte Nagel sehr druckempfindlich.


Wie stellt der Arzt die Diagnose Nagelpilz?


Häufig gibt schon das charakteristische Aussehen der Nägel Hinweis auf einen Nagelpilz-Befall. Der Arzt wird Teile der betroffenen Nagelstellen abschaben, um sie unter einem Mikroskop zu betrachten und zu versuchen, die Pilze in einer Kultur zu züchten. Diese Untersuchung kann Aufschluss über die genaue Pilzart geben und eine angemessene Therapie erleichtern.


Ist man von einem Nagelpilz betroffen, ist es wichtig, diesen umgehend zu behandeln und Kleidung, die mit den Nägeln in Berührung gekommen ist, sorgfältig zu reinigen. Nagelpilze übertragen sich durch sogenannte Pilzsporen, mikroskopisch kleine Teile der Pilze, die tagelang an Kleidung oder Bettwäsche überleben können. Deshalb verbreitet sich ein Nagelpilz oft von Eltern auf ihre Kinder und wird auch als eine Familienerkrankung bezeichnet.


Wie wird eine Nagelpilz-Erkrankung behandelt?


Man unterscheidet zwei Arten der Behandlung von Nagelpilz-Infektionen: die lokale und die systemische Behandlung der Infektion.


1) Lokale Behandlung der Nagelpilz-Infektion


Nagelpilz-Infektionen, die sich noch nicht über den gesamten Nagel ausgebreitet haben oder nur wenig aggressiv wachsen, können mit einer lokalen Therapie, das heißt einer Behandlung nur der betroffenen Nägel, versorgt werden. Ein Ansatz in der lokalen Therapie sind Nagellacke, die auf die betroffenen Nägel aufgetragen werden. Sie enthalten einen für Pilze giftigen Wirkstoff, das Ciclopiroxolamin, und sollten jeden oder jeden zweiten Abend aufgetragen werden, bis kein Pilzbefall mehr zu erkennen ist. Einen Erfolg der Behandlung kann der Arzt durch erneutes Abschaben von Nagelmaterial und dessen Überprüfung bestätigen.


Eine weitere Möglichkeit der lokalen Behandlung ist die Ablösung der betroffenen Nägel mit verschiedenen Medikamenten, auch als atraumatische Ablösung bezeichnet. Dazu werden die Nägel mit Wirkstoffen wie Bifonazol und Urea behandelt, bis sie sich von selbst ablösen. Diese Therapie ist vor allem bei deformierten und stark brüchigen Nägeln sinnvoll.


2) Systemische Behandlung der Nagelpilz-Infektion


Sind große Teile der Finger- oder Zehennägel von Pilzen befallen, ist oft eine systemische Behandlung der Pilzinfektion notwendig. Dazu werden für Pilze giftige Medikamente, die sogenannten Antimykotika, eingenommen. Die wichtigsten Medikamente in dieser Gruppe sind Terbinafin (250 mg / Tag für drei Monate), Itraconazol (400 mg / Tag für eine Woche) oder Fluconazol (150-300 mg / Tag einmal pro Woche für fünf bis zwölf Monate). Eine systemische Therapie von Nagelpilz-Infektionen sollte nur in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen und der Erfolg der Behandlung regelmäßig überprüft werden.


Nagelpilz-Erkrankungen sind ebenso häufig wie langwierig. Hat man sich einmal mit einem Nagelpilz angesteckt, ist es schwer, diesen wieder vollständig los zu werden. Doch es existieren immer wirksamere Medikamente in der Therapie von Nagelpilz-Infektionen, sodass dieser Volkskrankheit heutzutage Einhalt geboten werden kann.


Quellen:


Faergemann, J., & Baran, R. (2003). Epidemiology, clinical presentation and diagnosis of onychomycosis. British Journal of Dermatology, 149(s65), 1-4. Link: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1046/j.1365-2133.149.s65.4.x/pdf (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 11.02.16


Bublak, R. (2014). Lokal und systemisch gegen Nagelpilz. CME, 11(6), 28-29. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s11298-014-1338-6 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 11.02.16


Elewski, B. E. (1998). Onychomycosis: pathogenesis, diagnosis, and management. Link: http://cmr.asm.org/content/11/3/415.full.pdf+html, aufgerufen am 11.02.16


Tietz, H. J., & Nenoff, P. (2012). Onychomykose. Der Hautarzt, 63(11), 842-847. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s00105-012-2448-2 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 11.02.16




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Nagelpilz. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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