Du bist hier: Gesundheitslexikon > Parkinson

Parkinson




Wie lassen sich Parkinson Symptome behandeln?


Das Parkinson-Syndrom wurde nach seinem Erstbeschreiber James Parkinson benannt, der bereits 1817 die Krankheit und ihre Symptome dokumentierte. Durch den Untergang von Nervenzellen, die für die Ausführung von willkürlichen Bewegungen essentiell sind, kommt es beim Morbus Parkinson zu Symptomen wie verlangsamte Bewegungen und Muskelzittern. In den meisten Fällen tritt die Krankheit erst nach dem 50. Lebensjahr auf.


Welche Symptome treten beim Morbus Parkinson auf?


Das Hauptsymptom bei einer Erkrankung an Parkinson ist die Bewegungsarmut. Diese kann sich als erstes zum Beispiel dadurch äußern, dass beim Laufen die Arme nicht mehr dynamisch mitschwingen. Insgesamt werden die Bewegungen langsamer (Bradykinese) oder können teilweise komplett ausfallen (Akinese). Medizinisch spricht man in diesem Zusammenhang auch von Bewegungsarmut. Die Bradykinese macht sich durch kleine und langsame Schritte bemerkbar. Das Aufstehen und Hinsetzen ist deutlich verlangsamt. Insbesondere schnell aufeinander folgende, gegensätzliche Bewegungen können nicht mehr durchgeführt werden. Man spricht von einer Bradydiadochokinese. Ein Beispiel dafür ist das Einschrauben einer Glühbirne, bei der die Hand rasche Bewegungen in unterschiedliche Richtungen machen muss. Weiterhin können plötzliche Bewegungsblockaden auftreten, die als „freezing“ bezeichnet werden, da der Parkinson-Patient plötzlich mitten in einer Bewegung einzufrieren scheint. Die Blockade löst sich nach wenigen Sekunden wieder. Zusätzlich macht sich die Bewegungsarmut auch durch eine reduzierte Mimik und Gestik (Hypomimie) bemerkbar.


Die Bewegungsarmut stellt das Hauptsymptom des Morbus Parkinson dar. Hinzu können noch eines oder mehrere der drei weiteren Symptome kommen:


  • Muskelzittern (Tremor)
  • Muskelstarre (Rigor) und
  • Haltungsinstabilität

Das charakteristischste dieser Symptome ist der Tremor. Es handelt sich dabei um einen Ruhetremor, der beim Ausführen gezielter Bewegungen nachlässt und sich bei geistiger Anstrengung verstärkt. Das Zittern tritt zunächst an einer Hand bzw. einem Arm auf und behält diese Seitendominanz, auch wenn im Verlauf der Erkrankung beide Seiten betroffen sein können.


Die Muskelsteifigkeit beginnt im Bereich der Rumpfmuskulatur und kann als erstes Symptom zu Nackenschmerzen führen. Zudem fällt bei einem von Parkinson Betroffenen zunehmend eine nach vorn gebeugte Haltung auf. Der Rigor führt zusammen mit der Brady- bzw. Akinese zu einer Ungeschicklichkeit, die als Erstes feinmotorische Tätigkeiten, wie das Knöpfen betrifft.


Das vierte charakteristische Symptom bei einer Erkrankung an Parkinson ist die Haltungsinstabilität, die sich insbesondere durch eine zunehmende Fallneigung äußert.


Es gibt verschiedene Ausprägungen der Erkrankung, bei der die Symptome unterschiedlich dominant sind. Beim Äquivalenztyp treten alle Symptome etwa gleich stark auf. Desweiteren unterscheidet man bei Parkinson den akinetisch-rigiden Typ, bei dem der Tremor gar nicht oder nur minimal auftritt und im Gegensatz dazu den Tremordominanztyp, bei dem Akinese und Rigor nur sehr schwach ausgeprägt sind.


Was sind die Ursachen für die Erkrankung?


Je nachdem, ob man einen Auslöser für das Parkinson-Syndrom feststellen kann oder nicht, unterscheidet man das symptomatische und das idiopathische Parkinson-Syndrom. Die beschriebenen Parkinson Symptome werden durch einen Mangel des Botenstoffes Dopamin ausgelöst, der in einem Bereich des Gehirns, der für die Koordination für Bewegungen wichtig ist, den Basalganglien, entscheidende Funktionen erfüllt.


Dieser Dopaminmangel kann bei einem symptomatischen Parkinson-Syndrom beispielsweise durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden, die die Dopaminwirkung hemmen. Man spricht in diesem Fall von einem Parkinsonoid, das beispielsweise durch Substanzen verursacht wird wie zum Beispiel


  • Lithium (eingesetzt bei bipolaren Störungen)
  • Metoclopramid (einem Medikament, das gegen Übelkeit wirkt) oder
  • Neuroleptika (eingesetzt gegen Psychosen)

Außerdem können die Nervenzellen (Neurone), die das Dopamin produzieren, auch durch toxische Substanzen wie Kohlenstoffmonoxid oder Mangan geschädigt werden, was ebenfalls die Symptome von Parkinson hervorrufen kann. Auch Entzündungsprozesse im Gehirn können sich auf diese Neurone auswirken und zu Parkinson-Symptomen führen.


Können solche Ursachen ausgeschlossen werden, spricht man vom idiopathischen Parkinson-Syndrom. Dieses wird ausgelöst durch einen sukzessiven Untergang der Dopamin-produzierenden Neurone in einem Bereich des Gehirns, den man als Substantia nigra bezeichnet. Diese Neurone gehören zu einem Schaltkreis im Gehirn, der Bewegungen koordiniert. Das Dopamin ist dabei der entscheidende Botenstoff, um eine Bewegung zu initiieren. Fehlt das Dopamin, überwiegen in diesem Regelkreis die Wirkungen anderer neuronaler Substanzen, wie beispielsweise des Glutamats und des Acetylcholins und die Ausführung von Bewegungen wird gehemmt.


Welche Untersuchungen werden durchgeführt, um die Diagnose Parkinson zu stellen?


Für jedes der vier Kardinalsymptome gibt es klinische Tests, die Hinweise auf das Vorliegen und die Ausprägung eines Parkinson-Syndroms geben können.


Die Bewegungsarmut ist oft schon anhand des Gangbildes zu erkennen. Weiterhin ist die Wendeschrittzahl erhöht. Auf die Bitte hin, sich auf der Stelle einmal umzudrehen, benötigt ein an Parkinson Erkrankter mehr Schritte als der Gesunde. Das Aufstehen aus dem Sitzen ist ebenfalls verlangsamt.


Bei manchen Patienten lässt sich die Muskelsteifigkeit durch passives Bewegen des Unterarms durch den Untersucher feststellen. Dabei gibt es einen Widerstand beim Beugen des Armes, der stückweise gebrochen werden kann, was man als Zahnradphänomen bezeichnet.


Das häufig auffälligste Symptom ist der Ruhetremor. Dieser ist aber nicht bei allen Patienten von Anfang an vorhanden. Unter Umständen lässt sich aber auch ein im Alltag noch nicht sichtbarer Tremor frühzeitig demaskieren. Der Tremor verstärkt sich bei geistiger Anstrengung und so kann die Aufforderung eine Rechenaufgabe zu lösen oder von 100 rückwärts zu zählen, einen bisher klinisch unauffälligen Tremor zum Vorschein bringen.


Die posturale Instabilität fällt häufig durch Fallneigung auf, kann aber auch mittels des Schulterzugtests untersucht werden. Dabei zieht der Untersucher ruckartig an der Schulter des Patienten nach hinten. Der Gesunde könnte dieses Manöver mit ein bis zwei Korrekturschritten ausgleichen. Der Parkinson-Patient hingegen benötigt deutlich mehr Schritte oder gerät sogar ins Wanken.


Um die Diagnose Parkinson stellen zu können, wird dann ein L-DOPA-Response-Test durchgeführt. L-DOPA ist eine Vorstufe des Dopamins, die von den Nervenzellen weiterverarbeitet werden kann. Führt die Gabe von L-DOPA zur Besserung der Symptomatik, spricht dies für das Vorliegen des Morbus Parkinson. Zusätzlich geben bildgebende Verfahren wie Untersuchungen mittels CT und MRT Auskunft darüber, ob es zu auffälligen Veränderungen im Gehirn gekommen ist, die sich nicht nur auf die Dopamin-Neurone beschränken. Eine Blut-Untersuchung hilft auszuschließen, dass eine Vergiftung oder Medikamente Ursache für die Symptome sind.


Gibt es Frühwarnsymptome, die auf einen Morbus Parkinson hinweisen können?


Die Erkrankung an Morbus Parkinson betrifft meist nicht nur die Dopamin-produzierenden Zellen der Substantia nigra, sondern wirkt sich auf weitere Systeme im Gehirn aus. Dies kann zu relativ unspezifischen Symptomen führen, die der Manifestation der Bewegungsarmut und des Tremors voraus gehen. So kann die Geschmacks- und Geruchswahrnehmung abnehmen, Probleme mit der Wärme-Regulation des Körpers, Schlafstörungen und psychische Symptome, wie eine nachlassende Gedächtnisleistung und depressive Verstimmungen auftreten.


Welche therapeutischen Möglichkeiten stehen zur Verfügung?


Für die Therapie des Morbus Parkinson gibt es mehrere pharmakologische Ansatzpunkte, die für die medikamentöse Therapie eingesetzt werden. Im Vordergrund dabei steht, den Dopaminmangel auszugleichen.


Eine Möglichkeit dazu stellt die Gabe von L-DOPA dar. L-DOPA wird in Kombination mit einer Substanz gegeben, die verhindert, dass L-DOPA bereits, bevor es im Gehirn angelangt ist, in Dopamin umgewandelt wird. Dazu werden so genannte Decarboxylase-Hemmer, wie z.B. Carbidopa und Benserazid, verwendet. L-DOPAbewirkt bei richtiger Dosierung, dass die Symptome unter der Therapie verschwinden können. Allerdings lässt sich der Untergang der Dopamin-produzierenden Nervenzellen nicht aufhalten durch diese Therapie. Wenn alle Neurone zu Grunde gegangen sind, wird auch die Therapie mit L-DOPAwirkungslos. Zudem kommt es mit zunehmender Zeit der Therapie mit L-DOPA zu einer abnehmenden Wirkung. Nach circa sieben Jahren kann die Gabe von L-DOPA selbst in höheren Dosierungen keine ausreichende Wirkung mehr erzielen. Die Gabe von L-DOPA ist für Patienten über 70 Jahren die Therapie der ersten Wahl. Für jüngere Betroffene werden allerdings zunächst andere Medikamente bevorzugt.


Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die als Dopaminagonisten bezeichnet werden. Sie lösen die gleichen Effekte wie das Dopamin aus, sind aber strukturell andere Substanzen. Heutzutage üblich sind beispielsweise Ropinirol und Pramipexol.


Zusätzlich werden Medikamente verwendet, die den Abbau des Dopamins hemmen. Sie werden vor allem ergänzend eingesetzt, wenn die Therapie mit L-DOPA allein nicht mehr ausreicht. Einen weiteren Ansatzpunkt stellt das relative Übergewicht von Glutamat und Acetylcholin dar. Dafür werden antagonistisch wirkende Substanzen verabreicht. Um die Acetylcholin-Wirkung zu hemmen, wird das Anticholinergikum Biperiden eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass Dopaminagonisten und Biperiden beide gleich effektiv gegen den Tremor wirken. Auf Symptome wie die Bewegungsarmut wirken aber nur die Dopaminagonisten in ausreichendem Maße.


Nach der Diagnose-Stellung sollte die Therapie so schnell wie möglich eingeleitet werden, da es keinen prognostischen Vorteil bringt, den Therapie-Beginn hinauszuzögern.


Gibt es neben Medikamenten weitere Therapie-Ansätze?


Eine Alternative zur medikamentösen Behandlung des Morbus Parkinson stellt die tiefe Hirnstimulation, auch bekannt als Hirnschrittmacher dar. Dabei werden Elektroden so in das Gehirn implantiert, dass sie exakt die Regionen des Gehirns stimulieren, die von der Erkrankung betroffen sind und ihre Funktion in der Bewegungskoordination nicht mehr regulär erfüllen können. Die Elektroden werden unter lokaler Betäubung implantiert und der Patient ist während des Eingriffs bei vollem Bewusstsein. So kann intraoperativ direkt kontrolliert werden, dass die Elektroden an der richtigen Stelle stimulieren, da die Wirkung sofort sichtbar ist (z.B. durch Abschalten des Tremors). Der Schrittmacher selbst wird im Brust- oder Bauchbereich implantiert und mit den Elektroden verbunden.


Mit dieser operativen Methode werden sehr gute Ergebnisse erzielt. Die Lebensqualität ist insgesamt höher, da Nebenwirkungen von Medikamenten entfallen und die Autonomie des Patienten wieder hergestellt wird. Insbesondere für jüngere Patienten (in seltenen Fällen tritt Parkinson sogar schon vor dem 30. Lebensjahr auf) ist diese Variante in Erwägung zu ziehen. Zudem stellt die tiefe Hirnstimulation die einzige Möglichkeit dar, eine Linderung der Parkinson-Symptome zu erzielen, wenn die medikamentöse Therapie bereits ausgereizt ist.


Quellen:


Sambeth, A., Riedel, W. J., Klinkenberg, I., Kähkönen, S., & Blokland, A. (2014). Biperiden selectively induces memory impairment in healthy volunteers: no interaction with citalopram. Psychopharmacology, 232(11), 1887-1897. http://www.ncbi.nlm.nih.gov.pubmed.han.sub.uni-goettingen.de/pubmed/25466702


Pandey, S. (2016). When to do deep brain stimulation surgery in Parkinson disease? Early or late?. Neurology India, 64(1), 8. http://www.neurologyindia.com/article.asp?issn=0028-3886;year=2016;volume=64;issue=1;spage=8;epage=9;aulast=Pandey


Bodden, M. E., Mollenhauer, B., Trenkwalder, C., Cabanel, N., Eggert, K. M., Unger, M. M., ... & Kalbe, E. (2010). Affective and cognitive theory of mind in patients with Parkinson’s disease. Parkinsonism & related disorders, 16(7), 466-470. http://www.prd-journal.com/article/S1353-8020%2810%2900103-3/abstract


Schwarz, J., & Storch, A. (2007). Parkinson-Syndrome: Grundlagen, Diagnostik und Therapie. W. Kohlhammer Verlag.




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Parkinson. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


Wenn Du diese Buttons anklickst, willigst Du ein, dass Deine Daten an an die jeweiligen sozialen Netzwerke übertragen und ggf. dort gespeichert werden. Näheres erfährst Du unter „i“.
 



Wir verwenden Cookies, um Dir ein optimales Nutzungserlebnis unserer Webinhalte zu ermöglichen. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies