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Durchfall




Durchfall (Diarrhoe) beschreibt dünnere und häufigere Stühle und kann sowohl akut als auch chronisch auftreten. Je nachdem, welche Symptome zusätzlich auftreten und wie sich der Verlauf der Durchfälle darstellt, könne Infektionen, Entzündungen, Tumorleiden, Unverträglichkeiten oder Autoimmunerkrankungen Auslöser der Beschwerden sein. Im Folgenden wird erklärt, was akute von chronischen Durchfällen unterscheidet und wie die Behandlung in verschiedenen Fällen verläuft.


Was versteht man unter Durchfall?


Unter Durchfall versteht eine Konsistenzänderung des Stuhls hin zu breiigen oder flüssigen Stuhlgängen. Zusätzlich erhöht sich die Stuhlfrequenz. Offiziell spricht man von Durchfall, wenn die normale Stuhlfrequenz (beispielsweise einmal pro Tag) um drei Mal überschritten wird (also beispielsweise zu viermal am Tag).


Symptome, die zusammen mit Durchfall auftreten können, sind unter anderem


  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Kontinenzprobleme
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Blut- oder Schleimauflagerungen im Stuhl
  • Fieber und Abgeschlagenheit

Wie lassen sich verschiedene Arten von Durchfall unterteilen?


Es wird zwischen akutem und chronischem Durchfall unterschieden, da die Ursachen für diese beiden Krankheitsbilder sehr unterschiedlich sein können. Von chronischem Durchfall spricht man, wenn die Konsistenzveränderungen über vier Wochen andauern.


Eine besondere Form des Durchfalls stellend die paradoxen Stühle dar, bei der sich Verstopfungen (Obstipationen) und Durchfälle abwechseln.


Ist Durchfall gefährlich?


Durchfall ist nicht grundsätzlich gefährlich, hält er jedoch lange an oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann er zu gesundheitlichen Problemen führen. Bei akutem Durchfall stehen hier insbesondere der Flüssigkeitsverlust (Dehydratation) und die dadurch ausgelöste Verschiebung der Elektrolyte, also insbesondere dem Kalium und Natrium im Blut, im Vordergrund. Insbesondere bei älteren Menschen können diese Veränderungen schnell zu Kreislaufstörungen führen, die Elektrolytentgleisung kann zudem Herzrhythmusstörungen auslösen.


Bei chronischem Durchfall stehen im Gegensatz zum Flüssigkeitsverlust eher die Verluste von Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen im Vordergrund. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die sich noch im Wachstum befinden, kann dann chronischer Durchfall zu Gedeihstörungen führen.


In selteneren Fällen kann Durchfall auch ein Symptom einer schwerwiegenden Erkrankung sein. Neu auftretender chronischer Durchfall nach dem 40. Lebensjahr sollte zu einer Vorstellung beim Hausarzt führen, da in einigen Fällen Darmkrebs die Ursache sein kann. Tritt chronischer Durchfall im Jugendalter auf, sollte an eine Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie gedacht werden – liegt diese vor, muss eine glutenfreie Diät eingehalten werden, um das erhöhte Darmkrebsrisiko zu senken.


Wie wird akuter Durchfall ausgelöst?


In den meisten Fällen wird akuter Durchfall, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen, von einem viralen Infekt ausgelöst. Oft sind beispielsweise Noroviren oder Enteroviren die Ursache, bei kleinen Kindern ist zudem das Rotavirus häufig. In vielen Fällen liegt zudem Erbrechen vor, auch Fieber kann gelegentlich auftreten. Die meisten viralen Infekte gehen von allein nach etwa drei Tagen zurück.


Auch Bakterien können zu akuten Durchfällen führen, dazu gehören unter anderem Salmonellen, Yersinien und Campylobacter. In einigen Fällen sind dabei nicht die Bakterien selbst, sondern von ihnen produzierte Toxine die eigentlichen Auslöser. Sie sind beispielsweise für die Mehrzahl von Lebensmittelvergiftungen verantwortlich. Bakteriell ausgelöste Durchfälle haben meist eine längere Dauer als viral ausgelöste und müssen in einigen Fällen ärztlich betreut werden.


Tritt akuter Durchfall nach einer Reise, insbesondere in Entwicklungsländer, auf, sollte dies bei einem ärztlichen Gespräch unbedingt erwähnt werden. In anderen Ländern sind andere Bakterien und Einzeller vertreten, die ebenfalls Durchfall auslösen können. Zudem erhöhen andere Standards in der Lebensmittelverarbeitung oft das Risiko, die Krankheitserreger über die Nahrung aufzunehmen.


Wichtig bei akutem Durchfall ist, eine mögliche Ansteckungsgefahr zu beachten. Insbesondere virale Infekte, wie Norovirus-Durchfälle, verbreiten sich oft sehr schnell in Einrichtungen wie Altenheimen oder Schulen. Um eine Ansteckung zu vermeiden, ist eine gewissenhafte Händehygiene unumgänglich. Für Babys gibt es zudem die Impfung gegen Rotaviren, die in den ersten Lebensmonat verabreicht wird.


Wie wird akuter Durchfall behandelt?


Die Mehrzahl der viralen und bakteriellen Durchfälle lässt sich nicht ursächlich behandeln und heilt von allein in einigen Tagen aus. Es gibt einige Medikamente gegen Einzeller-ausgelöste Durchfälle, die nach einer Reise auftreten können. Sind quälende Krämpfe Teil der Beschwerden, können krampflösende Mittel wie Buscopan lindernd wirken. Von Durchfall-stoppenden Medikamenten wie Loperamid wird bei akutem Durchfall eher abgeraten, da sich so die Zeit, in der die Erreger ausgeschieden werden, verlängern kann.


Da der Flüssigkeitsverlust das Hauptproblem des akuten Durchfalls darstellt, ist darauf zu achten, dass genug Flüssigkeit zugeführt wird. Dabei kann es sich sowohl um Wasser oder Tee oder auch um Elektrolytlösungen aus der Apotheke handeln. Vom Hausmittel Cola wird insofern abgeraten, als dass der enthaltene Zucker zu einer weiteren Wasserverschiebung in den Darm führen und so die Durchfälle verstärken kann. Eine grundsätzliche Empfehlung zur Schonkost gibt es nicht mehr, Nahrungsmittel sollten jedoch nicht übermäßig viel Fett oder Einfachzucker enthalten.


Reicht die Flüssigkeitszufuhr über das Trinken nicht aus, sei es wegen gleichzeitigem Erbrechen oder der Nahrungsverweigerung, ist es insbesondere bei Kindern und älteren Personen wichtig, bei starker Dehydratation eine intravenöse Flüssigkeits- und Elektrolyttherapie zu beginnen. Dies umfasst in den meisten Fällen einen Krankenhausaufenthalt.


Wie wird chronischer Durchfall ausgelöst?


Chronischer Durchfall, der also über mehr als vier Wochen anhält, kann viele verschiedene Ursachen haben. Eine wichtige Gruppe stellen die entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa dar. Entzündungen des Dünn- und Dickdarms führen dabei zu Bauchschmerzen, Durchfall, blutigen Stühlen und Mangelerscheinungen. In den meisten Fällen werden diese Krankheitsbilder im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter diagnostiziert. Zur endgültigen Diagnosestellung ist zumeist eine Darmspiegelung (Koloskopie) nötig, bei der Gewebeproben entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden.


Ebenfalls durch eine endoskopische Untersuchung, die Ösophagogastroduodenskopie (oft als Magenspiegelung bezeichnet), kann eine weitere Ursache von chronischen Durchfällen diagnostiziert werden: die Zöliakie. Bei der Zöliakie handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die mit der Aufnahme des Getreideproteins Gluten zusammenhängt. Insbesondere Kinder mit Zöliakie fallen mit einer Gedeihstörung auf, da die Erkrankung die Darmschleimhaut dahingehend verändert, dass sie weniger Nährstoffe aufnehmen kann.


Sind die Durchfälle von der jeweiligen Ernährung abhängig, sollten Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie beispielsweise eine Laktose-Intoleranz getestet werden. Auch chronische Infektionen können zu Durchfällen führen und sollten durch eine Stuhlprobe abgeklärt werden. Treten bei Erwachsenen nach dem 40. Lebensjahr Durchfälle oder Verstopfungen auf, z.B. in Form paradoxer Stühle, sollte gegebenenfalls eine Darmspiegelung erfolgen, um Darmkrebs auszuschließen.


Wurden alle möglichen Auslöser der chronischen Durchfälle ausgeschlossen, wird Betroffenen in vielen Fällen ein Reizdarmsyndrom oder auch funktioneller Durchfall diagnostiziert. Dies beschreibt eine Durchfallerkrankung ohne erkennbare Ursache, eine psychosomatische Komponente wird jedoch angenommen. Patienten mit Reizdarmsyndrom haben die Beschwerden meistens nur tagsüber und wachen nicht davon auf, außerdem sollten sie kein Blut im Stuhl haben.


Wie wird chronischer Durchfall behandelt?


Je nachdem, was die Ursache des chronischen Durchfalls ist, stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung. Ihnen allen ist gemein, dass auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden muss und gegebenenfalls fehlende Nährstoffe künstlich zugeführt werden müssen, um eine Mangelernährung zu vermeiden.


Liegt eine entzündliche Darmerkrankung vor, wird eine individuelle Therapie eingeleitet, die aus verschiedenen Komponenten bestehen kann: Grundsäule sind in vielen Fällen sogenannte Salicylsäurederivate, die sowohl als Tablette, als auch als Einläufe, Zäpfchen und Rektalschäume eingesetzt werden können. Weitere Medikamente im Einsatz gegen entzündliche Darmerkrankungen umfassen Immunsuppressiva wie z.B. Kortikosteroide und Antikörpertherapien. In einigen Fällen, insbesondere bei der Colitis ulcerosa, kann eine Operation, bei der der Dickdarm entfernt wird, zu einer Heilung der Krankheit führen.


Bei der Zöliakie ist der konsequente Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel die wichtigste Therapie. Bei Lebensmittelunverträglichkeiten ist teilweise ebenfalls der Verzicht Therapie der Wahl, im Falle einer Laktoseintoleranz können künstlich zugeführte Enzymtabletten bei der Verdauung helfen.


Die Behandlung des Reizdarmsyndroms ist weiterhin schwierig, einige Studien berichten von lindernden Effekten bei der Einnahme von Pfefferminzöl-Kapseln oder Loperamid. Gelegentlich kann auch eine psychotherapeutische Betreuung helfen, eventuelle auslösende Faktoren zu identifizieren und bestehende Konflikte zu lösen.


Akuter Durchfall Chronischer Durchfall
Definition Dünnere, häufigere Stühle weniger als vier Wochen bestehend Dünnere Stühle über mehr als vier Wochen bestehend
Typische Ursachen Viren, Bakterien, Bakterientoxine, Einzeller Entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie, Laktoseintoleranz, Darmkrebs, Reizdarmsyndrom
Weitere Symptome Erbrechen, Fieber Blut im Stuhl, Symptome von Mangelerscheinungen (z.B. Blutarmut)
Verlauf Meist innerhalb einiger Tage von allein verschwindend Meist ohne Therapie über Wochen und Monate anhaltend
Hauptproblem Flüssigkeitsverlust, Elektrolytverschiebung Mangelernährung, psychische Belastung
Diagnosestellung Untersuchung einer Stuhlprobe auf Erreger Magen- und Darmspiegelung
Behandlung Meist nur symptomorientiert mit Flüssigkeitsersatztherapie Abhängig vom zugrundeliegenden Krankheitsbild

Quellen:


R. L. Guerrant, T. Van Gilder, T. S. Steiner et al. Practice guidelines for the management of infectious diarrhea. Clin Infect Dis 2001; 32: S. 331. Online unter http://cid.oxfordjournals.org/content/32/3/331.long, abgerufen am 23.02.2016


L. R. Schiller. Chronic Diarrhea. Curr Treat Options Gastroenterol 2005; 8: S. 259. Online unter http://link.springer.com/article/10.1007/s11938-005-0018-8, abgerufen am 23.02.2016


F. Magro, F. Portela. Management of inflammatory bowel disease with infliximab and other anti-tumor necrosis factor alpha therapies. BioDrugs 2010; 24.1: S. 3-14. Online unter http://link.springer.com/article/10.2165%2F11586290-000000000-00000, abgerufen am 23.02.2016


A. Ballauff, S. Buderus (Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e. V.): Leitlinie für Chronische unspezifische Diarrhoe. Online unter http://www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien/ll-liste/gesellschaft-fuer-paediatrische-gastroenterologie-und-ernaehrung-gpge.html, abgerufen am 23.02.2016


S. Koletzko, M. J. Lentze (Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e. V.): Leitlinie für Akute infektiöse Gastroenteritis. Online unter http://www.gkind.info/downloads/drg-ag-2008/GKinD%20VAG%20Downloads%202008%20II/leitlinien_gastroenteritis_gpge_01072008.pdf, abgerufen am 23.02.2016




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Durchfall. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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