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INR Wert




Gerinnungshemmer, die umgangssprachlich auch als Blutverdünner bezeichnet werden, zählen zu den in Deutschland häufig verschriebenen Medikamenten. Um die Wirksamkeit der Medikamente zu überprüfen, müssen viele Patienten regelmäßig den sogenannten INR-Wert ihres Blutes kontrollieren. Was versteht man unter dem INR-Wert, wie wird er berechnet und was gibt es zu beachten?


Wie funktioniert die Blutgerinnung im menschlichen Körper?


Die Blutgerinnung ist wichtig, um beschädigte Blutgefäße zu verschließen und Wunden zu heilen. Ein Teil der Blutgerinnung passiert über die sogenannten Blutplättchen. Diese Plättchen, bei denen es sich um eine bestimmte Gruppe von Blutzellen handelt, erkennen Schäden in der Wand der Blutgefäße und lagern sich dort an. Sie bilden einen Klumpen (Thrombus), der einen vorläufigen Verschluss der beschädigten Wand ermöglicht. Medikamente wie Acetylsalicylsäure (ASS) hemmen das Aneinanderlagern der Blutplättchen.


Der andere Teil der Blutgerinnung wird von Medizinern als „plasmatische Blutgerinnung“ bezeichnet. Der Name ist entstanden, da dieser Teil der Blutgerinnung von Proteinen, die sich im Blutplasma befinden, vermittelt wird. Über verschiedene Wege, beispielsweise über eine Schädigung der Gefäßwände, kommt es zur Aktivierung des plasmatischen Gerinnungssystems. Gerinnungshemmer wie Marcumar, das zur Gruppe der sogenannten Vitamin-K-Antagonisten zählt, beeinflussen diesen Teil der Blutgerinnung. Mit Hilfe des INR-Wertes können Ärzte überprüfen, wie effektiv die Wirkung solcher Gerinnungshemmer ist.


Wie wirken Gerinnungshemmer aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten?


Vitamin-K-Antagonisten entfalten ihre Wirkung, indem sie das Vitamin K im Körper blockieren. Dieses Vitamin wird in der Leber benötigt, um Proteine herzustellen, die für die Blutgerinnung von großer Bedeutung sind. Indem man mit Medikamenten wie Marcumar das Vitamin K blockiert, verhindert man also, dass die plasmatische Blutgerinnung richtig funktioniert. So lagern sich Blutbestandteile nicht so schnell zusammen und die Bildung von Blutgerinnseln wird verhindert. Besonders Patienten, die unter Erkrankungen wie Vorhofflimmern leiden oder die in der Vergangenheit bereits eine Thrombose erlitten haben, können durch die Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten das Risiko verringern, ein gefährliches Blutgerinnsel zu entwickeln.


Was ist der INR-Wert?


Die Abkürzung „INR“ steht für International Normalized Ratio. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Verfahren, das zur Überprüfung der plasmatischen Blutgerinnung eingesetzt werden kann. Der INR-Wert hat den alten Quick-Wert, mit dem dieser Teil der Blutgerinnung lange überprüft wurde, inzwischen weitestgehend abgelöst.


Im Labor kann der INR-Wert mit streng definierten Experimenten aus einer Blutprobe des Patienten festgestellt werden. Das hilft Ärzten und Patienten, die Effektivität einer Therapie mit Gerinnungshemmern einzuschätzen und so die optimale Dosierung für jeden individuellen Patienten herauszufinden.


Was bedeuten die einzelnen INR-Werte?


Die Bestimmung des INR-Wertes ist so aufgebaut, dass Gesunde einen INR-Wert von 1 haben. Das bedeutet, dass bei ihnen die Blutgerinnung normal vonstatten geht. Ein INR-Wert, der höher als eins ist, bedeutet, dass die Blutgerinnung gehemmt ist. Je höher der INR-Wert, desto ausgeprägter ist die Hemmung der Blutgerinnung. Wenn der INR-Wert unter 1 fällt, so weist das darauf hin, dass Blut schneller gerinnt als normalerweise. In solchen Fällen kann das Risiko, ein Blutgerinnsel zu erleiden, deutlich erhöht sein.


Wie hoch sollte der INR-Wert bei einer Behandlung mit Gerinnungshemmern sein?


Patienten, die unter bestimmten Erkrankungen leiden, sollten mit Gerinnungshemmern vom Vitamin-K-Antagonisten Typ auf einen höheren INR-Wert eingestellt werden. So kann das Risiko minimiert werden, dass diese Patienten ein Gerinnsel erleiden, das beispielsweise zu einem Schlaganfall führen kann.


Besonders davon bedroht, ein Blutgerinnsel auszubilden, sind etwa Patienten, die


  • Unter Vorhofflimmern leiden
  • Bereits eine Thrombose oder Lungenembolie erlitten haben
  • Unter Durchblutungsstörungen leiden
  • Eine mechanische Herzklappe besitzen oder unter bestimmten Herzklappenfehlern leiden

Patienten, die unter Vorhofflimmern leiden, sollten unter der Therapie mit Gerinnungshemmern einen INR-Wert von 2 – 3 erreichen. Bei einer Thrombose oder Lungenembolie in der Vergangenheit ist ebenfalls ein INR-Wert von 2 – 3 das Ziel. Patienten, denen eine mechanische Herzklappe implantiert wurde, sollten auf einen INR-Wert von 3 – 4,5 eingestellt werden.


Erkrankung INR-Zielwerte
Vorhofflimmern 2 – 3
Thrombose 2 – 3
Lungenembolie 2 – 3
Mechanische Herzklappe 3 – 4,5

Tab.1: Ausgewählte Erkrankungen und zugehörige INR-Zielwerte


Wie wird der INR-Wert überprüft?


Der INR-Wert eines Patienten kann nur in dessen Blut bestimmt werden. Deshalb muss in regelmäßigen Abständen eine Blutentnahme erfolgen, um den INR-Wert festzustellen.

Zu Beginn einer Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten sollte der INR-Wert in sehr kurzen Abständen untersucht werden. So kann die optimale Dosis des Medikamentes ermittelt werden, die ein Patient benötigt, um seinen Ziel-INR-Wert zu erreichen. Nach der erfolgreichen Einstellung der Dosis reicht es in der Regel aus, den INR-Wert in größeren Abständen, etwa alle zwei Wochen oder alle vier Wochen, zu überprüfen. Neue Systeme wie der sogenannte Coagu Check® erlauben es Patienten, ähnlich wie bei der Messung des Blutzuckers ihren INR-Wert zu Hause selbst zu bestimmen.


Was, wenn der INR-Wert zu hoch ist?


Wenn der INR-Wert zu hoch ist, kann das Risiko, eine Blutung zu erleiden, deutlich steigen. Deshalb ist es wichtig, den INR-Wert genau im Zielbereich der entsprechenden Erkrankung zu halten. Ein zu hoher INR-Wert kommt meist zustande, wenn die Dosis des gerinnungshemmenden Medikamentes zu hoch gewählt ist. Dann ist es von großer Bedeutung, dass Patienten gemeinsam mit ihrem Arzt die Dosierung des Medikaments so anpassen, dass eine Senkung des INR-Wertes in den therapeutischen Bereich erreicht wird.


Was, wenn der INR-Wert zu niedrig ist?


Ein zu niedriger INR-Wert erhöht die Gefahr, dass bei einem Patienten ein Blutgerinnsel entsteht. Ein solches Gerinnsel kann etwa zum Auftreten eines Schlaganfalls führen. Ein möglicher Grund für einen zu niedrigen INR-Wert ist, dass die Dosis des gerinnungshemmenden Medikaments nicht ausreicht. In solchen Fällen sollte gemeinsam mit dem Arzt die optimale Dosis des Medikaments ermittelt werden. Eine weitere mögliche Ursache ist, dass die Medikamente nicht regelmäßig eingenommen werden. Bei der Einnahme von blutgerinnenden Medikamenten ist es von großer Bedeutung, diese Medikamente auch regelmäßig einzunehmen. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass der INR-Wert dauerhaft im optimalen Bereich liegt und das Risiko für den Patienten so gering wie möglich ist.


Der INR-Wert dient dazu, die Effektivität einer Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten zu überprüfen. Er ist ein wichtiges Maß, mit dem die Behandlung auf die Krankheit eines individuellen Patienten zugeschnitten werden kann. Die Überprüfung des INR-Wertes erfolgt entweder durch regelmäßige Blutentnahmen beim niedergelassenen Arzt – meistens einem Hausarzt. Alternativ können Patienten den INR-Wert auch mit technischen Hilfsmitteln wie dem Coagu Check® zu Hause selbst bestimmen.




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema INR-Wert. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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