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Laborwerte




Durch die Untersuchung des Blutes kann der Arzt wichtige Informationen über den Gesundheitszustand eines Patienten erhalten. Die so gewonnen Laborwerte helfen, Krankheiten festzustellen und Behandlungen zu planen. Welche Laborwerte Teil der Blutuntersuchung sind und wie ein Arzt sie zur Diagnose und Behandlung von Krankheiten nutzen kann, erfahren Sie bei vitabook.de.


Wie werden Laborwerte gewonnen?


Um das Blut eines Patienten untersuchen zu können, muss der Arzt zuerst eine Blutabnahme durchführen. Das so gewonnene Blut wird in Röhrchen mit verschiedenen Substanzen versetzt, um eine optimale Untersuchung der Blutbestandteile zu ermöglichen. In einem speziellen Labor wird dann die Zusammensetzung des Blutes mit Hilfe verschiedener Maschinen und Methoden analysiert.


Was bedeuten die Farben der einzelnen Blutentnahme-Röhrchen?


Die Röhrchen zur Blutentnahme sind mit verschiedenen Substanzen versetzt, je nachdem, welche Bestandteile des Blutes untersucht werden sollen. Es gibt braune (Serum), rote (EDTA), grüne (Gerinnung) und lila (Blutsenkung) Röhrchen.


Das Serum-Röhrchen


Das braune Serum-Röhrchen enthält ein bestimmtes Gel und dient der Untersuchung der sogenannten „klinischen Chemie“. Unter diesen Begriff fallen Entzündungswerte, Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte und viele andere Enzyme.


Der wichtigste Entzündungswert ist das sogenannte C-reaktive Protein (CRP). Läuft im Körper eine Entzündung ab, wird dieses Protein von der Leber vermehrt produziert. Ein hohes CRP ist somit ein Hinweis dafür, dass im Körper eine Entzündung vonstatten geht. Ein weiterer Entzündungswert, der häufig untersucht wird, ist das Procalcitonin. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Wert, der im Rahmen einer Entzündung häufig vermehrt im Blut zu finden ist. Vor allem, wenn die Entzündung durch Bakterien verursacht wurde, bringt die Bestimmung des Procalcitonins gute Ergebnisse.


Zu den Leberwerten zählen die Enzyme Alanin-Aminotransferase (ALAT) und Aspartat-Aminotransferase (ASAT). Diese beiden Enzyme befinden sich innerhalb der Zellen der Leber. Wenn die Leber beschädigt wird und Leberzellen absterben, setzen sie ALAT und ASAT vermehrt ins Blut frei. Dort können sie mit Hilfe einer Laboruntersuchung nachgewiesen werden. Eine Schädigung von Leberzellen kann zum Beispiel durch eine Leberentzündung (Hepatitis), übermäßigen Alkoholkonsum und im Rahmen anderer Erkrankungen ausgelöst werden.


Zu den Leberwerten werden oft ebenfalls die beiden Enzyme γ-Glutaryltransferase (γ-GT) und alkalische Phosphatase (AP) gezählt. Diese beiden Proteine befinden sich in den Zellen, die die Gallenwege auskleiden. Da sich auch innerhalb der Leber Gallenwege befinden, kann das Vorhandensein dieser Enzyme im Blut auf eine Leberschädigung hinweisen.


Der wichtigste Nierenwert ist das sogenannte Kreatinin. Dieser Stoff, der hauptsächlich in Muskeln entsteht, wird über die Nieren aus dem Körper ausgeschieden. Die Nieren dienen der Reinigung des Blutes. Sie filtern viele Schadstoffe aus dem Blut und scheiden sie über den Urin aus. Wenn zu viel Kreatinin im Blut vorhanden ist, ist das ein Hinweis darauf, dass die Nieren ihrer Arbeit nicht mehr ausreichend nachgehen und eine Einschränkung der Nierenfunktion vorliegt. Mit zunehmenden Lebensalter steigt der Kreatinin-Laborwert ebenfalls an.


Mit Blut aus dem Serum-Röhrchen können viele weitere Laborwerte bestimmt werden. Unter anderem beispielsweise die Herzenzyme Creatinin-Kinase (CK-MB) und Troponin. Diese Enzyme werden bei einer Schädigung des Herzens, zum Beispiel im Rahmen eines Herzinfarktes, freigesetzt und können dann im Blut nachgewiesen werden. Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass bei einem Patienten ein Herzinfarkt vorliegt, wird er diese Laborwerte bestimmen.


Das EDTA-Röhrchen


Dem roten EDTA-Röhrchen ist EDTA zugesetzt. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der an Bestandteile des Blutes bindet und somit die Blutgerinnung hemmt. Das rote EDTA-Röhrchen dient der Bestimmung des sogenannten Blutbildes.


Im Blutbild werden die Zellen des Blutes untersucht. Dabei handelt es sich um rote Blutkörperchen, weiße Blutzellen und Blutplättchen.


Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) dienen der Sauerstoffversorgung des Körpers, indem sie Sauerstoff von der Lunge zu den Geweben des Körpers transportieren. Eine Verringerung der roten Blutkörperchen bezeichnet der Arzt als Blutarmut (Anämie). Eine Ursache für eine Anämie sind Blutungen (auch die Regelblutung der Frau), Blutbildungsstörungen oder Krankheiten, bei denen zu viele rote Blutkörperchen abgebaut werden.


Die weißen Blutzellen (Leukozyten) sind ein Teil des menschlichen Immunsystems. Sie erkennen Krankheitserreger und machen sie unschädlich. Wenn zu wenige weiße Blutzellen vorhanden sind (Leukopenie) ist das ein Hinweis auf eine Störung des Immunsystems. Eine Erhöhung der weißen Blutzellen findet sich beispielsweise im Rahmen einer Entzündung.


Die Blutplättchen (Thrombozyten) dienen der Gerinnung des Blutes. Eine Erniedrigung der Blutplättchen führt dazu, dass die Gefahr eine Blutung zu erleiden steigt. Medikamente wie ASS 100, die umgangssprachlich oft als „Blutverdünner“ bezeichnet werden, hemmen die Zusammenlagerung der Blutplättchen.


Das Gerinnungsröhrchen


Das grüne Gerinnungsröhrchen enthält den Stoff Citrat, der die Blutgerinnung vorübergehend hemmt. Mit Hilfe dieses Röhrchens werden die Gerinnungswerte Quick (auch INR), und aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) bestimmt.


Diese Werte geben einen Hinweis darauf, wie gut die Blutgerinnung im Körper funktioniert. Eine ausreichende Blutgerinnung ist notwendig, damit der Körper auf Verletzungen reagieren und Blutungen schnell stoppen kann.


Es gibt Krankheiten, die eine Veränderung der Blutgerinnung durch Medikamente notwendig machen. So sollten Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, Blutgerinnungshemmer zu sich nehmen, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu verringern.


Das Blutsenkungsröhrchen


Das lila Blutsenkungsröhrchen dient der Bestimmung der sogenannten Blutsenkungsgeschwindigkeit. Dieser Laborwert ist ein guter Hinweis darauf, ob eine Entzündung im Körper vorliegt. Denn wenn eine Entzündung abläuft verändert sich die Zusammensetzung des Blutes. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist in solchen Fällen dann deutlich erhöht.


Welche weiteren Werte können im Blut bestimmt werden?


Neben den Standard-Blutuntersuchungen kann der Arzt heutzutage auch sehr spezielle Untersuchungen vornehmen.


Blutkulturen geben dem Arzt beispielsweise eine Möglichkeit, Bakterien, die sich möglicherweise im Blut befinden, an zu züchten. So kann eine zielgerichtete Therapie mit Bakterien-abtötenden Stoffen (Antibiotika) eingeleitet werden.


Außerdem können im Blut sogenannte „Antikörper“ untersucht werden. Antikörper sind Eiweiße, die vom Immunsystem produziert werden, um Krankheitserreger abzuwehren. Denn diese Antikörper können an Krankheitserreger binden und sie für andere Zellen des Immunsystems „markieren“. Erreger, die durch Antikörper markiert wurden, können dann schnell unschädlich gemacht werden.


Bei vielen Autoimmunerkrankungen, das heißt Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet, treten spezielle Antikörper im Blut auf. Durch den Nachweis dieser Antikörper kann der Arzt herausfinden, welche Autoimmunerkrankung bei einem Patienten vorliegt.


Die Untersuchung von Laborwerten gibt dem Arzt die Möglichkeit, Informationen über den Zustand von Organen und Organsystemen zu erhalten. Viele Erkrankungen können bereits über die Veränderung der Laborwerte diagnostiziert werden. Doch die Beschwerden eines Patienten sollten nie außer Acht gelassen werden. Denn es gilt: ein Arzt sollte Patienten behandeln und nicht Laborwerte.



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Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Laborwerte. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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