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Leukämien




Leukämien, im Volksmund häufig als „Blutkrebs“ bezeichnet, sind Erkrankungen der weißen Blutzellen, die entweder akut oder chronisch verlaufen. Einige Formen dieser Erkrankungen treten überwiegend im Kindesalter auf, andere erst bei Erwachsenen. Allen Leukämien ist gemeinsam, dass es sich um schwere Erkrankungen handelt, die unbedingt einer umfassenden Therapie bedürfen. Was sind Leukämien, welche Formen gibt es, wie erkennt man sie und wie werden sie behandelt?


Was bedeutet Leukämie?


Der Begriff Leukämie setzt sich aus dem griechischen leukós, für „weiß“, und haima, für „das Blut“, zusammen. Dieser Name wurde den Leukämien gegeben, da Ärzte bei ihrer Entdeckung eine vermehrte Anzahl von weißen Blutkörperchen im Blut vorgefunden haben. Weiße Blutkörperchen spielen eine wichtige Rolle für das angeborene und erworbene Immunsystem des menschlichen Körpers.


Welche Arten der Leukämien gibt es?


Leukämien sind eine große Gruppe von Krankheiten mit vielen Unterformen. Allen Leukämien ist eine starke Vermehrung von Vorläuferzellen der Blutbildung gemeinsam, die nach und nach andere Blutzellen verdrängen und so zu den Symptomen der Leukämien führen. Diese Vorläufer werden im Knochenmark gebildet, das häufig ebenfalls stark von den Leukämien betroffen ist. Im Allgemeinen werden vier Hauptformen der Leukämien unterschieden, von denen zwei akut und zwei chronisch verlaufen:


  • Akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • Akute myeloische Leukämie (AML)
  • Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
  • Chronische myeloische Leukämie (CML)

1) Akute lymphatische Leukämie (ALL)


Bei über 90 Prozent der Leukämien, die im Kindesalter auftreten, handelt es sich um akute lymphatische Leukämien. Bei Erwachsenen macht die ALL nur etwa 20 Prozent der Leukämien aus.


Bei der ALL handelt es sich um eine Erkrankung der Zellen des erworbenen Immunsystems. Vorläufer von sogenannten B- oder T-Immunzellen entarten und vermehren sich exponentiell.


Eine solche entartete Zelle wird als maligne Zelle bezeichnet. Die starke Vermehrung der malignen Zelle im Knochenmark führt zur Verdrängung der anderen Zellen, die im Knochenmark heranreifen. Dadurch kommt es zu den Symptomen der ALL: Blutarmut, Schwäche, Abgeschlagenheit, häufige Infekte, Knochenschmerzen, Appetitlosigkeit, vermehrte Blutungen und die sogenannte B-Symptomatik. B-Symptomatik ist ein Begriff für Symptome, die häufig im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen auftreten und erstmals bei einem Patienten mit einem Typ-B-Lymphom beschrieben wurden. Zur B-Symptomatik gehören Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust.


Die Symptome der ALL treten je nach Patient und Ausprägung der Krankheit sehr unterschiedlich auf, manche Patienten berichten lediglich über leichte Müdigkeit und Abgeschlagenheit, andere hingegen leiden unter vielen der ALL-Symptome.


Häufigster Auslöser einer ALL ist eine Veränderung der Chromosomen, die zur Entstehung des sogenannten Philadelphia-Chromosoms führt. Das Philadelphia-Chromosom kodiert unter anderem für ein Protein, das ungehindert Wirksam ist und das Entarten von Zellen bewirkt. Mediziner bezeichnen dieses Protein als BCR-ABL Fusionsprotein.


2) Akute myeloische Leukämie (AML)


Die AML stellt mit über 80 Prozent die häufigste Leukämieform im Erwachsenenalter dar. Der Erkrankungsgipfel liegt bei Personen über dem 70. Lebensjahr.


Bei der AML sind andere Vorläuferzellen als bei der ALL von der Entartung betroffen. Diese Zellen werden als Zellen der myeloischen Reihe bezeichnet. Genau wie die ALL auch führt eine AML zur Verdrängung anderer Vorläuferzellen und damit zu ähnlichen Symptomen wie die ALL. Wichtigste sind Blutarmut, Schwächung des Immunsystems und B-Symptomatik.


Eine AML, die durch Gendefekte ausgelöst wird, bezeichnet man als primäre akute myeloische Leukämie. Entsteht die AML durch andere Erkrankungen, zum Beispiel ein langjährig vorhandenes myelodysplastisches Syndrom, oder nach einer Chemotherapie, wird sie als sekundäre AML bezeichnet.


3) Chronische lymphatische Leukämie (CLL)


Von der CLL sind pro Jahr etwa 3 von 100.000 Menschen neu betroffen. Im hohen Alter kann die Neuerkrankungsrate auf bis zu 30 von 100.000 steigen.


Die CLL entsteht, ähnlich wie die ALL, durch die exponentielle Vermehrung einer B- oder T-Vorläuferzelle. Sie ist die einzige Leukämieform, bei der die Zellen nicht im Knochenmark, sondern erst im Blut entarten und von dort aus ins Knochenmark, in Lymphknoten und in die Milz streuen. Die Vermehrung der entarteten Zellen ist deutlich langsamer als bei der ALL, bei etwa 25 Prozent der betroffenen verläuft die Erkrankung lange Zeit ohne Symptome. Erste Anzeichen einer CLL sind häufig eine schwach ausgeprägte B-Symptomatik oder eine symmetrische Vergrößerung von Lymphknoten am Hals, in der Achsel oder in der Leiste, die beim Tasten auffällt.


Die CLL tritt familiär gehäuft auf, das heißt, Familienmitglieder eines CLL-Erkrankten tragen ebenfalls ein höheres Risiko, an CLL zu erkranken. Auch die CLL wird durch Gendefekte ausgelöst, welche genauen Mechanismen allerdings zu diesem Krankheitsbild führen, ist noch nicht endgültig geklärt.


4) Chronische myeloische Leukämie


Die CML ist eine seltene Erkrankung. Jedes Jahr erkrankt etwa einer von 100.000 an der CML, der Erkrankungsgipfel ist zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahrzehnt erreicht.


Der Krankheitsverlauf der CML geschieht in drei Phasen:


  • Chronische Phase: In dieser Phase erfolgt die Diagnosestellung meist zufällig, zum Beispiel bei routinemäßigen Blutentnahmen. Kommt es zu Symptomen, so handelt es sich dabei häufig um unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Akzelerationsphase: Diese Phase, auch als „Übergangsphase“ bezeichnet, bildet einen Übergang von der chronischen Phase in den Blastenschub. Vordergründige Symptome sind B-Symptomatik und Bauchbeschwerden, die durch eine Schwellung der Milz verursacht werden
  • Blastenschub/Blastenkrise: Der Blastenschub verläuft wie eine akute Leukämie. Vorläuferzellen vermehren sich massiv, verdrängen andere blutbildende Zellen und führen zu den Symptomen der akuten Leukämien

Wie stellt der Arzt die Diagnose Leukämie?


Bei den chronischen Leukämien handelt es sich meist um Zufallsdiagnosen. Bei routinemäßigen Blutuntersuchungen fällt ein Überschuss an weißen Blutkörperchen auf, eine Untersuchung des Blutausstriches und gegebenenfalls genetische Untersuchungen geben dann Aufschluss über die Art der Erkrankung.


Akute Leukämie fallen häufig durch die drastischen Symptome und ihren plötzlichen Beginn auf. Bei Verdacht auf eine akute Leukämie wird der Arzt ebenfalls genaue Blutuntersuchungen einleiten und genetische Untersuchungen anstellen.


Wie behandelt man die Leukämien?


1) Akute lymphatische Leukämie


Die ALL wird mit einer Chemotherapie und anschließender Stammzelltransplantation behandelt. Sie sollte im Rahmen von Studien der Deutschen Multizentrischen ALL-Studiengruppe (GMALL) geschehen. In Deutschland gibt es spezielle Zentren mit Erfahrung in der ALL-Chemotherapie. Im Allgemeinen gliedert sich die Therapie in vier Phasen: Vorphase, Induktionsphase, Konsolidierungsphase und Erhaltungsphase. Die Intensivität der Therapie unterscheidet sich von Phase zu Phase.


Etwa 60 – 80 Prozent der Patienten sprechen auf die Therapie an, allerdings kommt es bei einigen davon zu erneuten Ausbrüchen der Krankheit (Rezidive) und nur bei einem Teil zu einem dauerhaften Rückgang der Krankheitsaktivität (Langzeitremission).


2) Akute myeloische Leukämie


Auch die AML wird mithilfe von Chemotherapeutika behandelt. Sie gliedert sich in die gleichen Phasen wie die Chemotherapie der ALL. Mit den heutigen Therapiemöglichkeiten werden bei etwa 40 Prozent der Patienten Langzeitremissionen erreicht. Bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität kann eine Stammzelltransplantation empfohlen werden.


3) Chronische lymphatische Leukämie


Die Therapie der CLL richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. In frühen Erkrankungsstadien ist lediglich eine Beobachtung notwendig, Ärzte sprechen hier vom „watchful waiting“. In späteren Krankheitsstadien können Chemo- und Strahlentherapie nötig werden, bei jungen Patienten, die nicht auf eine Therapie ansprechen, auch eine Stammzelltransplantation. Die Prognose der CLL ist variabel, im Allgemeinen heilt sie von allen Leukämien nach Behandlung am besten aus.


4) Chronische myeloische Leukämien


Chronische myeolische Leukämien, bei denen ein BCR-ABL Fusionsgen festgestellt wurde, werden mit sogenannten Tyrosinkinaseinhibitoren behandelt. Der bekannteste und älteste Vertreter dieser Gruppe ist Imatinib, neuere Präparate wie Nilotinib und Dasatinib werden in Studien getestet, da zum Teil Resistenzen gegen Imatinib aufgetreten sind.


Eine vollständige Heilung der Erkrankung kann nur mit einer Stammzelltransplantation erreicht werden.


Leukämien sind schwerwiegende Erkrankungen deren Behandlung kompliziert ist. Allerdings werden in der Therapie dieser Erkrankungen immer neue Fortschritte verbucht, sodass auch für Patienten mit schweren Leukämie-Formen Hoffnung auf eine Heilung besteht.


Quellen:


Davis, A. S., Viera, A. J., & Mead, M. D. (2014). Leukemia: an overview for primary care. American family physician, 89(9). Link: http://www.aafp.org/afp/2014/0501/p731.pdf, aufgerufen am 01.03.16


Marlies, M. (2011). Basics Hämatologie.


Gökbuget, N., Ganser, A., & Schlenk, R. F. (2005). Akute Leukämien. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie [Online-Text]. Link: http://www.uksh.de/uksh_media/Dateien_Kliniken_Institute+/Kiel+Campuszentrum+/Med2_KI/Dokumente/Dokumente+WissLab/DGHO+Leitlinie+ALL-EGOTEC-23e833669c4446053edcf1d8b0510e27.PDF, aufgerufen am 01.03.16


Gadner, H., Gaedicke, G., Niemeyer, C., & Ritter, J. (2006). Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Berlin Heidelberg New York: Springer. Link: http://link.springer.com/book/10.1007/3-540-29036-2 (Buch nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 01.03.16




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Leukämie. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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