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Leistenbruch




Jedes Jahr diagnostizieren Ärzte in Deutschland etwa 300.000 Leistenbrüche, von denen ein großer Teil bei Männern auftritt. In den meisten Fällen müssen diese Brüche operativ behandelt werden, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Hier wird erklärt, wie man einen Leistenbruch erkennt, welche Symptome es gibt und wie man den Leistenbruch behandelt.


Was ist ein Leistenbruch?


Der Leistenbruch, von Ärzten auch als Leistenhernie bezeichnet, ist das Austreten von Baucheingeweiden durch eine Bruchstelle (Bruchpforte) in der Leistengegend. Die Baucheingeweide sind dabei noch durch einen Teil des Bauchfells (Peritoneum) bedeckt. Je nach dem, wo sich die Bruchpforte befindet, unterscheidet man zwischen einem direkten und einem indirekten Leistenbruch.

  • Direkter Leistenbruch: Beim direkten Leistenbruch liegt die Bruchpforte im sogenannten „Hesselbach-Dreieck“. Dieses Dreieck stellt aufgrund der Lage von Muskeln und Bänder eine Schwachstelle in der Bauchwand dar und ermöglicht so ein Durchbrechen von Baucheingeweiden
  • Indirekter Leistenbruch: Der indirekte Leistenbruch liegt weiter außerhalb als der direkte Leistenbruch. Er kann entweder durch äußere Einwirkungen zu Stande kommen oder angeboren sein. Der indirekte Leistenbruch verläuft immer durch den Leistenkanal und kann bis in den Hodensack (bei Frauen bis in die großen Schamlippen) reichen, der unter Umständen stark anschwillt.

Männer sind etwa vier bis acht mal häufiger als Frauen von Leistenbrüchen betroffen.


Wie kommt es zu einem Leistenbruch?


Ein angeborener Leistenbruch entsteht, weil sich in der Embryonalentwicklung die Bauchwand nicht richtig verschließt. Auch während des Herunterwanderns des Hodens (Descensus) kann es zu Fehlentwicklungen kommen, die einen Leistenbruch begünstigen.


Ein erworbener Leistenbruch kann viele Ursachen haben und tritt meist bei älteren Menschen auf. Ein erhöhter Druck im Bauchraum kann dazu führen, dass Schwachstellen in der Bauchwand nachgeben und ein Leistenbruch entsteht. Der erhöhte Druck wird zum Beispiel durch schweres Heben oder starkes Husten verursacht.


Auch nach Operationen im Bauchraum, bei denen ein Schnitt durch die Bauchdecke durchgeführt wurde, kann es an diesen Schwachstellen zu Brüchen kommen.


Ein Leistenbruch kann entweder reponibel sein, das heißt, der Bruchinhalt kann durch die Bruchstelle in die Bauchhöhle geschoben werden, oder irreponibel. Bei irreponiblen Leistenbrüchen kommt es zu Verwachsungen des Bruchinhaltes mit dem Bruchsack, deshalb ist kein Verschieben des Bruchinhaltes mehr möglich.


Was sind die Symptome eines Leistenbruchs?


Das wichtigste Symptom eines Leistenbruchs ist die Schwellung in dem Bereich der Leiste, in dem es zu dem Bruch gekommen ist. Bei körperlicher Anstrengung kann zusätzlich ein Druckgefühl entstehen und es kann zu starken Schmerzen im Bereich der Schwellung kommen. Oft strahlen diese Schmerzen in die Schamgegend und sogar bis in den Oberschenkel aus. Bei kleineren Hernien ist es möglich, dass keine sichtbare Schwellung vorliegt. In diesen Fällen klagen Patienten häufig über ein unspezifisches Druckgefühl in der Leistengegend und über gelegentlich Schmerzen.


Kommt es zu einer Einklemmung des Bruchinhaltes (sogenannte Inkarzeration), bei dem unter Umständen ein Stück Darm komplett abgeklemmt wird, treten abrupt starke Schmerzen, Übelkeit und sogar Erbrechen auf. Eine Inkarzeration ist eine schwerwiegende Komplikation des Leistenbruches und muss sofort chirurgisch behandelt werden, um bleibenden Schaden zu verhindern.


Wie stellt der Arzt die Diagnose Leistenbruch?


Häufig fällt Patienten der Leistenbruch selbst auf. In solchen Fällen reicht ein Begutachten und Abtasten der Bruchstelle durch den Arzt, um die Diagnose Leistenbruch zu stellen. Manchmal wird der Patient aufgefordert zu Husten, während der Arzt nach einem Leistenbruch tastet, um ein Herausdrücken des Bruchinhalts zu provozieren. Bei kleineren Hernien kann eine Ultraschalluntersuchung notwendig sein, um den Durchbruch von Darmschlingen durch die Bauchdecke sichtbar zu machen.


Der Arzt wird auch feststellen, ob der Bruch reponibel oder irreponibel ist, denn reponible Leistenbrüche sind einfacher zu behandeln und führen seltener zu Komplikationen.


Wie wird ein Leistenbruch behandelt?


Leistenbrüche heilen nicht von selbst ab und je länger sie bestehen, desto höher ist die Gefahr von Komplikationen wie einer Inkarzeration. Deshalb gilt generell: wird die Diagnose Leistenbruch gestellt, so sollte auch eine operative Behandlung erfolgen. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei sehr kleinen Hernien die keine Symptome verursachen, kann erst eine Beobachtung erfolgen und dann über eine Therapie entschieden werden.


Es gibt verschiedene Wege, eine Leistenbruch-Operation durchzuführen, doch allen gemeinsam ist die hohe Sicherheit. Über 95 Prozent der Leistenbruch-Operationen sind erfolgreich. Grundsätzlich unterscheidet man bei Leistenbruch-OPs zwischen offenen und weniger eindringenden (minimal-invasiven) Verfahren.


Zu den offenen Verfahren zählen:


  • Leistenbruch-Operation nach Bassini
  • Leistenbruch-Operation nach Lichtenstein
  • Leistenbruch-Operation nach Shouldice

1) Leistenbruch-Operation nach Bassini

Bei der OP nach Bassini wird der Bruchinhalt zurück in den Bauchraum gedrängt. Danach verschließt der Operateur die Bruchstelle und vernäht das Leistenband mit den Bauchmuskeln, um die Bauchwand zu verstärken.


2) Leistenbruch-Operation nach Lichtenstein

Nachdem der Chirurg den Bruchinhalt in den Bauchraum zurückgedrängt hat, vernäht er bei der OP nach Lichtenstein ein Kunststoffnetz mit den Bauchmuskeln. Dieses Netz stabilisiert die Bauchwand und verhindert ein erneutes Austreten des Bruchinhalts.


3) Leistenbruch-Operation nach Shouldice

Wie bei den anderen Operationsarten wird der Bruchinhalt zurück in den Bauchraum gedrängt. Bei der OP nach Shouldice wird dann ein Stück Bindegewebe der Bauchmuskulatur (Bauchfaszie) über der Bruchstelle fixiert, um ein erneutes Austreten des Bruchinhaltes zu vermeiden.


Offene Verfahren Minimal-invasive Verfahren
Operation nach Bassini Transabdominelle Netzplastik (TAPP)
Operation nach Lichtenstein Total extraperitoneale Netzplastik (TEP)
Operation nach Shouldice Bruchband (heute nur noch selten)

Tab. 1: Arten der Leistenbruch-Operationen


Die minimal-invasiven Verfahren werden im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt und beinhalten:


  • Transabdominelle Netzplastik (TAPP)
  • Total extraperitoneale Netzplastik (TEP)

1) Transabdominelle Netzplastik (TAPP)

Bei der TAPP wird vom Bauchraum aus ein Netz über der Bruchpforte befestigt.


2) Total extraperitoneale Netzplastik (TEP)

Die TEP hat ihren Namen, weil das Netz außerhalb des Bauchfells (extraperitoneal) zwischen Bauchfell und Muskulatur platziert wird.


Ein Bruchband, das früher häufig eingesetzt wurde um die Bruchpforte zu stabilisieren, kommt heute nur noch selten zum Einsatz, zum Beispiel, wenn der Patient eine andere Operation des Leistenbruches ablehnt.


Wie kann man einem Leistenbruch vorbeugen?


Zur Vorbeugung eines Leistenbruchs empfiehlt es sich, die Bauchmuskeln regelmäßig zu trainieren und Übergewicht zu vermeiden. Ist in der Vergangenheit bereits ein Leistenbruch aufgetreten, sollte auch das Heben schwerer Lasten möglichst vermieden werden.


Tritt ein Leistenbruch trotz solcher Vorsichtsmaßnahmen auf, sollte möglichst schnell ein Arzt aufgesucht und die Behandlung geplant werden.


Quellen:


Wittel, U. A. (2010). Leistenhernie. DoctorConsult-The Journal. Wissen für Klinik und Praxis, 1(1), 31-35. Link: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1879412210000077, aufgerufen am 25.01.16


Simons, M. P., Aufenacker, T., Bay-Nielsen, M., Bouillot, J. L., Campanelli, G., Conze, J., ... & Kukleta, J. (2009). European Hernia Society guidelines on the treatment of inguinal hernia in adult patients. Hernia, 13(4), 343-403. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s10029-009-0529-7#page-1, aufgerufen am 25.01.16


Siewert, J. R. (2013). Chirurgie. Springer-Verlag.


Trevisonno, M., Kaneva, P., Watanabe, Y., Fried, G. M., Feldman, L. S., Andalib, A., & Vassiliou, M. C. (2015). Current practices of laparoscopic inguinal hernia repair: a population-based analysis. Hernia, 1-9. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s10029-015-1358-5#/page-1 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang aufrufbar), aufgerufen am 25.01.16




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Leistenbruch. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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