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Pille danach




Die Pille danach, oder Notfallverhütung, dient der Verhinderung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungsfehlern. In Deutschland sind zwei Wirkstoffe rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Die Pille sollte so früh wie möglich, spätestens jedoch drei bis fünf Tage nach dem Risikokontakt eingenommen werden. Nebenwirkungen umfassen insbesondere Übelkeit und Erbrechen, sowie Zyklusunregelmäßigkeiten und Zwischenblutungen. Im folgenden Text werden die verschiedenen Methoden der Notfallverhütung erklärt und darauf hingewiesen, was bei der Einnahme beachtet werden muss.


Wofür gibt es die Pille danach?


Die Pille danach wird auch Notfallverhütung genannt und verhindert eine Schwangerschaft nach Geschlechtsverkehr ohne adäquate Verhütung. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Geschlechtsverkehr ohne Kondom oder während dem das Kondom reißt. Auch kann eine vergesse Pilleneinnahme zu einer Risikosituation führen, in der eine Schwangerschaft entstehen könnte. Auch nach Vergewaltigungen ohne Kondom kann die Pille danach angewendet werden.


Bei der Anwendung der Pille danach wird davon ausgegangen, dass eine Befruchtung einer reifen Eizelle stattfinden könnte. Die Pille danach soll sowohl die Befruchtung der Eizelle, als auch deren Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut verhindern und so die Entwicklung zu einer Schwangerschaft stoppen. Aus diesem Grund begrenzt sich die Wirksamkeit der Pille danach auf die Zeit zwischen dem Geschlechtsverkehr und der potenziellen Einnistung der Eizelle.


Wo ist die Pille danach erhältlich?


Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2015 ist die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Apotheker können Auskunft darüber geben, welches Präparat im individuellen Fall empfohlen wird. Selbst Frauen, die aus medizinischen Gründen keine hormonelle Verhütung nutzen, können in den meisten Fällen die Notfallverhütung einnehmen, da es sich um eine einmalige Gabe handelt. Abhängig vom Präparat kann ein vorheriger Schwangerschaftstest nötig sein.


Das Medikament kostet zwischen 16 und 35 Euro, abhängig vom Präparat. Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, das Medikament muss privat bezahlt werden. Eine Ausnahme bilden dabei Frauen bis zum 20. Lebensjahr – in diesem Fall bezahlt die Kasse bei Vorlage eines Kassenrezepts die Notfallverhütung. Alle Frauen ab dem 14. Lebensjahr können die Pille danach in der Apotheke erwerben, auch ohne elterliche Zustimmung.


Wie wird die Pille danach eingenommen?


Die Pille danach sollte so schnell wie möglich nach dem Risikokontakt eingenommen werden, auf jeden Fall jedoch in den ersten 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr. Je nach Wirkstoff wird eine verlängerte Wirksamkeit bis zum fünften Tag nach dem Geschlechtsverkehr angegeben. Tendenziell verringert sich die Wirksamkeit, je weiter die Einnahme zeitlich vom Risikokontakt getrennt ist.


Die Pille danach kann sowohl auf nüchternen Magen als auch nach der Nahrungsaufnahme eingenommen und mit einem Schluck Wasser unzerkaut geschluckt werden.


Wie wirkt die Pille danach?


Es gibt zwei verschiedene Wirkstoffe, Levonorgestrel und Ulipristal, die als Pille danach verkauft werden.


Levonorgestrel ist ein Hormon, das dem körpereigenen Progesteron ähnlich ist. Es wird in vielen Pillen zur Empfängnisverhütung genutzt, in der Pille danach ist lediglich eine höhere Dosis enthalten. Der genaue Effekt, wie Levonorgestrel eine Schwangerschaft verhindert, ist weiterhin nicht vollständig bekannt. Es wird aber angenommen, dass es unterschiedliche Wirkmechanismen gibt, je nachdem in welchem Teil des Zyklus sich eine Frau momentan befindet. Es kann deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass trotz der Einnahme der Pille danach eine Befruchtung der Eizelle stattfindet und nur die Einnistung dieser verhindert wird.


Ulipristal ist kein Hormon, verhindert aber, dass das Hormon Progesteron seine normale Wirksamkeit entfalten kann. Auch hier ist der komplette Mechanismus weitestgehend ungeklärt; es werden verschiedene Effekte auf den Eisprung und die Gebärmutter angenommen.


Wie gut wirkt die Pille danach?


Viele Faktoren beeinflussen die Wirksamkeit der Pille danach, unter anderem das eingenommene Präparat, das Gewicht der Frau, die Dauer zwischen dem Geschlechtsverkehr und der Einnahme und an welchem Zyklustag sich die Frau befindet. Fand der Geschlechtsverkehr beispielsweise zwei Tage nach dem Eisprung der Frau statt, besteht auch ohne Verhütung oder Pille danach so gut wie kein Risiko einer Schwangerschaft.


Gibt es Risiken bei der Einnahme?


Eine häufige Nebenwirkung der Pille danach ist Übelkeit. Sollte es kurz nach der Einnahme (je nach Präparat etwa ein bis drei Stunden)zum Erbrechen kommen, kann eine erneute Einnahme nötig sein. In diesem Fall können sowohl Apotheker als auch Ärzte beraten, ob die Gabe eines Medikamentes gegen Übelkeit zu einer Besserung führen kann.


Gelegentlich kann es unter der Pille danach zu Zwischenblutungen kommen. Manche Frauen berichten zudem davon, dass sie einige Monate nach der Einnahme der Pille danach einen etwas unregelmäßigeren Zyklus hatten.


Was sollte nach der Einnahme beachtet werden?


Auch nach der Einnahme der Pille kann es potenziell zu einer Schwangerschaft kommen. Geschlechtsverkehr nach der Einnahme sollte daher mit einer passenden Verhütung geschehen, bestenfalls mit einem Kondom. Wurde Ulipristal eingenommen, sollte etwa fünf Tage gewartet werden, bis die normale hormonelle Verhütung wieder eingesetzt wird. Einige Wirkstoffe der Pille danach beeinflussen die Wirksamkeit der Verhütungspille, weshalb in diesen Fällen auch über die Einnahme der Verhütungspille hinaus etwa sieben Tage zusätzlich mit einem Kondom verhütet werden sollte.


Wurde die Pille danach korrekt eingenommen, sollte spätestens eine Woche, nachdem die Regelblutung normalerweise erwartet werden würde, eine Blutung einsetzen. Ist dies nicht der Fall, sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.


Treten nach der Einnahme der Pille danach starke Bauchschmerzen oder Blutungen auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.


Wie oft kann die Pille danach genutzt werden?


Für die Pille danach mit Levonorgestrel gibt es keine Kontraindikation, das Medikament auch mehrmals im gleichen Zyklus einzunehmen, sollte es zu einem weiteren Risikokontakt kommen. Dies ist unabhängig vom Zeitpunkt, an dem die erste Pille eingenommen wurde. Für Ulipristal gibt es jedoch keinen Hinweis, dass eine weitere Einnahme im gleichen Zyklus zu einer Reduktion des Schwangerschaftsrisikos führen kann.


Obwohl es nicht empfohlen ist, die Pille danach als reguläre Verhütung zu nutzen, scheinen sich keine Gesundheitsprobleme daraus zu ergeben. Es ist jedoch daran zu denken, dass diese Methode weniger effektiv als eine Verhütung mit Kondom oder Pille ist, höhere Hormondosen enthält, häufiger zu Menstruationsunregelmäßigkeiten führt und keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten bietet.


Gibt es Alternativen zur Pille danach?


In manchen Fällen wird Frauen, die nach einem Risikokontakt eine Schwangerschaft verhindern wollen, als Alternative zur Pille danach das Einsetzen einer Kupferspirale empfohlen. Diese sollte innerhalb von fünf Tagen nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Sie verhindert akut eine potenzielle Schwangerschaft und ist gleichzeitig eine dauerhafte Verhütungsmethode für bis zu fünf Jahre. Insbesondere Frauen, die eine dauerhafte Verhütung wünschen oder die über 75 Kilogramm wiegen, wird die Spirale empfohlen, da ab diesem Gewicht eine verminderte Wirksamkeit der Pille danach nachgewiesen wurde. Pillen mit dem Wirkstoff Ulipristal zeigen jedoch auch bei diesen Frauen eine gute Wirksamkeit.


Was gilt es weiterhin zu beachten?


Die Pille danach ist kein reguläres Verhütungsmittel und sollte nicht als ein solches behandelt werden. Entsteht mehrere Male hintereinander der Bedarf, die Pille danach einzunehmen, sollte über eine Änderung des Verhütungsverhaltens nachgedacht werden. Das kann bedeuten, dass beispielsweise für Frauen, die häufiger vergessen, ihre Verhütungspille einzunehmen, ein Hormonring oder ein Implanon-Stäbchen die bessere Wahl sind. Reißt des Öfteren das Kondom, sollte eventuell die Marke gewechselt und sich erneut mit dem korrekten Benutzen des Kondoms auseinandergesetzt werden.


Entsteht der Bedarf nach der Pille danach, z.B. durch ein gerissenes Kondom, liegt meistens gleichzeitig eine erhöhte Gefahr vor, sich mit sexuell übertragbaren Infektionen anzustecken. Dies sollte gegebenenfalls einen Arztbesuch mit der Testung auf Chlamydien, Gonorrhoe oder weitere Infektionen nach sich ziehen. Ist der Partner HIV-positiv mit einer nachweisbaren Viruslast im Blut, sollte mit einem Arzt eine eventuelle Postexpositionsprophylaxe diskutiert werden.


Siehe auch:


Eisprungkalender Pille-danach Schwangerschaftstest

Quellen:


K. Gemzell­Danielsson. Mechanism of action of emergency contraception. Contraception 2010; 82: S. 404. Online unter https://xa.yimg.com/kq/groups/20406181/1976505257/name/Mechanism%2Bof%2Baction%2Bof%2Bemergency%2Bcontraception.pdf, abgerufen am 23.02.2016


Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Pille danach. Online unter http://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungspannen/pille-danach/, abgerufen am 23.03.2016


Practice Bulletin No. 152: Emergency Contraception. Obstet Gynecol 2015; 126: S. e1. Online unter http://journals.lww.com/greenjournal/Abstract/2015/09000/Practice_Bulletin_No__152___Emergency.47.aspx, abgerufen am 23.02.2016




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Pille danach. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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