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Impfung gegen Poliomyelitis (Polio Impfung)




Die Poliomyelitis, in der Umgangssprache auch als „Kinderlähmung“ bezeichnet, war lange Zeit eine der gefürchtetsten Infektionskrankheiten des Menschen. Seit den 1950er Jahren, in denen erste Impfstoffe gegen die Krankheit entwickelt wurden, ist die Zahl der Poliomyelitis Erkrankungen in Deutschland deutlich zurückgegangen. Was ist Poliomyelitis, wie schützt eine Impfung gegen diese Erkrankung und was sind die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung?


Was ist Poliomyelitis?


Bei der Poliomyelitis, umgangssprachlich „Kinderlähmung“, handelt es sich um eine durch das Poliovirus ausgelöste Infektionserkrankung. Die Übertragung des Virus geschieht überwiegend per Schmierinfektion. Das heißt, dass das Virus durch die Berührung kontaminierter Gegenstände (mit Körpersekreten wie Stuhl oder Speichel) von Mensch zu Mensch übertragen wird.


Gelangt das Poliovirus in den menschlichen Körper, vermehrt es sich über eine Zeit von sieben bis zwanzig Tagen unbemerkt (Inkubationszeit). Danach kommt es zu allgemeinen Symptomen wie Durchfall und einer Reizung der Atemwege. Im weiteren Verlauf kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) und sogar zu einer Mitbeteiligung des Gehirns (Meningoenzephalitis) kommen.
Bei einem kleinen Teil der Betroffenen treten durch die Beteiligung des Gehirns dauerhafte Schädigungen auf, die zu den Namensgebenden Muskellähmungen führen. Ist die Atemmuskulatur von der Lähmung betroffen, kann die Krankheit tödlich enden.


Kann man einer Infektion mit dem Poliovirus vorbeugen?


Nachdem das Poliovirus in den Körper eingedrungen ist, vermehrt es sich dort exponentiell. Obwohl das Virus meist durch das Immunsystem erkannt wird, dauert die Reaktion des Immunsystems zu lange, um ein Ausbrechen der Erkrankung zu verhindern.


In den 1950er Jahren wurden erste Impfstoffe gegen das Poliovirus entwickelt. Ein Impfstoff bringt den Körper mit einer unschädlichen Form des Erregers oder Teilen des Erregers in Kontakt, damit das Immunsystem in dieser kontrollierten Situation Antikörper gegen das Virus bilden kann. Kommt es danach zu einer Infektion mit dem Poliovirus, ist der Körper „vorbereitet“: Er weiß bereits, welche Antikörper er zu produzieren hat und kann die Infektion so effektiv bekämpfen, bevor überhaupt Symptome auftreten.


Welche Arten des Poliomyelitis Impfstoffes gibt es?


Es gibt zwei Formen des Polioimpfstoffes, die von Medizinern unterschieden werden:

  • Oraler Polioimpfstoff nach Sabin
  • Inaktivierter Polioimpfstoff nach Salk

1) Oraler Polioimpfstoff nach Sabin

Bei dieser Form des Polioimpfstoffes handelt es sich um eine sogenannten Lebendimpfstoff, der als Schluckimpfung verabreicht wird. Das heißt, es werden vollständige Polioviren verabreicht, die allerdings durch Mutationen so abgeschwächt sind, dass sie keine Poliomyelitis mehr hervorrufen können. Der orale Polioimpfstoff nach Sabin wird in Deutschland nicht mehr verwendet, da man hier auf den inaktivierten Impfstoff nach Salik umgestiegen ist. In Ländern, in denen Poliomyelitis noch ein größeres Problem darstellt als in Deutschland, und wo die medizinische Versorgung schlechter ist, kommt der orale Polioimpfstoff aufgrund seiner geringen Kosten und der guten Verfügbarkeit noch häufiger zum Einsatz. Der orale Polioimpfstoff muss nur einmal verabreicht werden.


2) Inaktivierter Polioimpfstoff nach Salk

Beim inaktivierter Polioimpfstoff handelt es sich um einen sogenannten Totimpfstoff. Das heißt, die Viren werden zuerst in einem Labor unschädlich gemacht und alle Anteile entfernt, die zu einer Infektion führen können. Erst dann werden die unschädlichen Virusanteile als Impfstoff verabreicht. Während die Lebendimpfung oral, also als Schluckimpfung erfolgen kann, muss der inaktivierte Polioimpfstoff mit einer Spritze intramuskulär verabreicht werden.


Um eine Grundimmunisierung zu erreichen, sind insgesamt drei Impfungen notwendig. Diese sollten im ersten und zweiten Lebensjahr erfolgen. Jugendlichen ist eine Auffrischungsimpfung zu empfehlen. Der inaktivierte Polioimpfstoff nach Salk hat den oralen Polioimpfstoff in Europa abgelöst.


Kann eine Impfung gegen Poliomyelitis zu Nebenwirkungen führen?


Die möglichen Nebenwirkungen einer Polioimpfung richten sich nach dem Impfstoff, der verwendet wurde.


1) Nebenwirkungen des oralen Polioimpfstoffes


Da es sich beim Lebendimpfstoff um vermehrungsfähige Polioviren handelt, darf er nicht bei Patienten mit Defekten des Immunsystems, wie beispielsweise einer HIV-Infektion oder AIDS, eingesetzt werden. Auch bei Patienten, die akut unter einer Entzündung des Magen-Darm-Trakts leiden, sollte die Impfung nicht durchgeführt werden. In solchen Fällen kann eine Impfung erfolgen, wenn die Erkrankung des Magen-Darm-Trakts ausgeheilt ist.


Als allgemeine Nebenwirkungen einer Impfung können Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen auftreten.
Eine extrem seltene Nebenwirkung der Polioimpfung mit Lebendimpfstoffen ist die erneute Mutation eines der Viren, die dazu führen kann, dass sich eine tatsächliche Poliomyelitis ausbildet. Diese Erkrankung wird dann als Vakzin-assoziierte paralytische Poliomyelitis-Erkrankung (VAPP) bezeichnet.


2) Nebenwirkungen des inaktivierten Polioimpfstoffes


Durch die Verabreichung von inaktiven Virusbestandteilen ist die Gefahr von Nebenwirkungen bei dieser Form der Polioimpfung gering. Sie beschränken sich weitestgehend auf Rötungen und Schmerzen im Bereich der Injektionsstelle des Impfstoffes.


Die Impfung sollte nicht bei Personen durchgeführt werden, die gegen einen der Bestandteile des Impfstoffes eine bekannte Allergie besitzen und bei Personen, die unter einem akuten Infekt oder einer akuten fieberhaften Erkrankung leiden.


Ist man nach der Impfung dauerhaft vor einer Infektion mit dem Poliovirus geschützt?


Nach der dreimaligen Impfung mit dem inaktivierten Polioimpfstoff im Kindesalter, die in Deutschland empfohlen wird, ist bei über 95 Prozent der Geimpften eine Grundimmunisierung erreicht. Trotzdem wird Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, sich mit dem Poliovirus zu infizieren, eine Auffrischungsimpfung nach dem 18. Lebensjahr empfohlen. Zu dieser Personengruppe zählen etwa Angestellte in medizinischen Berufen, die mit den Körperausscheidungen von Erkrankten oder den Erkrankten selbst in Kontakt kommen. Auch vor Reisen in Länder, in denen das Poliovirus noch häufig vorkommt, kann eine Auffrischungsimpfung ratsam sein. Diese sogenannten „Endemiegebiete“ sind vor allem Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Doch auch Kamerun, Syrien, Israel, der Irak und Äthiopien sind noch heute von dem Virus betroffen.


Kann auch in der Schwangerschaft gegen das Poliovirus geimpft werden?


Im Allgemeinen gilt, dass Impfungen mit Totimpfstoffen während der Schwangerschaft unbedenklich sind. Da es sich bei dem inaktivierten Polioimpfstoff nach Salk um einen solchen Totimpfstoff handelt, kann er in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Allerdings sollten Schwangere ihren Arzt vor der Impfung immer über ihre Schwangerschaft informieren. Dann kann zusammen mit dem Arzt der optimale Zeitpunkt und der optimale Impfstoff für die Impfung gefunden werden.


Die Poliomyelitis, oder Kinderlähmung, galt lange Zeit als eine große Plage der Menschheit. Dank der Entwicklung verschiedener Polioimpfstoffe in den 1950er Jahren ist die Krankheit heutzutage so gut wie ausgerottet. In Deutschland trat die letzte bekannte Ansteckung mit dem Poliovirus 1990 auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hofft, das Poliovirus durch weitere Impfkampagnen in Zukunft vollständig ausrotten zu können.



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Quellen:


Windorfer, A., & Feil, F. (2000). Der Kampf gegen Poliomyelitis–die Ausrottung einer Zivilisationsseuche. Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 43(1), 2-6. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s001030050002 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 15.11.16


Ratgeber für Ärzte: Poliomyelitis (RKI) Link: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Poliomyelitis.html


Knolle, H., Egli, A., & Candrian, U. (2004). Die Perspektive der globalen Ausrottung der Poliomyelitis. Das Gesundheitswesen, 29(01), 1-6. Link: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-2004-812828, aufgerufen am 15.11.16


Dowdle, W. R., Featherstone, D. A., Birmingham, M. E., Hull, H. F., & Aylward, R. B. (1999). Poliomyelitis eradication. Virus research, 62(2), 185-192. Link: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168170299000441 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 15.11.16




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Polio-Impfung. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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