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Cholesterin




Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil vieler Nahrungsmittel. Die Folgen, die zu hohe Blut-Cholesterinspiegel auf das Herz-Kreislauf-System haben, sind dank ausführlicher Untersuchungen inzwischen bekannt. Eine cholesterinbewusste Ernährung spielt deshalb für einen gesunden Lebensstil eine immer größere Rolle. Was genau ist Cholesterin, welche Rolle spielt es im Körper und wie gefährlich ist es wirklich?


Was ist Cholesterin?


Der Name Cholesterin kommt aus dem griechischen und setzt sich aus den Wörtern cholé für „Galle“ und steréos für „fest“ zusammen. Dieser Name wurde dem Cholesterin gegeben, da es erstmals in Gallensteinen identifiziert wurde.


Cholesterin ist ein fettlöslicher Stoff, der zur Gruppe der Lipide gezählt wird. Grundbaustein eines Cholesterin-Moleküls ist das sogenannte Sterol- oder Steroidgerüst. An diesem Gerüst hängt eine Kette aus Kohlenwasserstoff-Molekülen. Da das Cholesterin an seinem Sterol-Gerüst eine OH-Gruppe trägt und somit im chemischen Sinne ein Alkohol ist, wird es von Chemikern auch als Cholesterol bezeichnet.


Struktur von Cholesterin

Abb.1: Struktur von Cholesterin (eigens erstellte Abbildung)


Welche Aufgaben erfüllt Cholesterin im Körper?


In einem menschlichen Körper befinden sich etwa 140 Gramm Cholesterin. Hauptsächlich ist dieses Cholesterin in Zellmembranen und im Inneren von Zellen zu finden. In Zellmembranen spielt es eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung von Struktur und Funktion der Membran. Innerhalb der Zellen ist es zum einen Strukturbaustein, zum anderen wird es vom Körper benötigt, um viele andere Stoffe herzustellen (Tabelle 1).


Aus Cholesterin entstehen zum Beispiel die männlichen und weiblichen Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen. Auch Nebennierenhormone wie Cortisol und Aldosteron werden aus Cholesterin synthetisiert. Zur körpereigenen Produktion von Vitamin D wird ebenfalls Cholesterin benötigt.


Stoff Bedeutung im Körper
Testosteron Männliches Geschlechtshormon
Östrogen Weibliches Geschlechtshormon
Progesteron Weibliches Geschlechtshormon, wichtigster Vertreter der Gelbkörperhormone
Cortisol Stresshormon
Aldosteron Nebennierenhormon, reguliert den Elektrolythaushalt im Körper
Vitamin D Wichtig für Knochen und den Calciumhaushalt
Gallensäuren Wichtig für die Produktion und Ausscheidung von Gallenflüssigkeit

Tab.1: Stoffe, die im Körper aus Cholesterin hergestellt werden und ihre Funktion


Ausscheiden kann der Mensch Cholesterin nur über die Gallenflüssigkeit. Da ein großer Teil dieser Flüssigkeit allerdings im sogenannten „Gallensäurekreislauf“ recycelt wird, ist die Ausscheidung von Cholesterin ineffizient. Jeden Tag können nur kleinste Mengen ausgeschieden werden.


Wie funktioniert der Cholesterinstoffwechsel im Körper?


Über 90 Prozent des benötigten Cholesterins stellt der Körper selbst her. Diese Synthese geschieht hauptsächlich in der Leber und in der Darmschleimhaut. Das restliche benötigte Cholesterin wird mit der Nahrung aufgenommen.


Lebensmittel Cholesteringehalt pro 100 g
Butter 240 mg
Ei 400 mg
Milch (3,5 % Fett) 13 mg
Leberwurst 160 mg
Forelle 70 mg

Tab.2: Cholesteringehalt ausgewählter Nahrungsmittel


Cholesterin, das mit der Nahrung aufgenommen wurde, gelangt über den Darm in die Leber. Die Leberzellen verpacken das Cholesterin, damit es im Blut transportiert werden kann, indem sie es mit Proteinen und Fettsäuren zusammen bündeln. Solche Päckchen werden von Medizinern als Lipoproteine bezeichnet. Je nach dem, wie viel Cholesterin und Fettsäuren transportiert werden und wohin der Transport geschieht, werden verschiedene Arten von Lipoproteinen unterschieden (Tabelle 3). Man teilt sie nach ihrer Dichte („density“) ein, die auch den Gehalt an Proteinen, Fetten und Cholesterin wiederspiegelt.


Art des Lipoproteins Funktion Zusammensetzung
HDL („high density lipoprotein“) HDL transportiert überschüssiges Cholesterin aus den Geweben zurück zur Leber, wo es von den Leberzellen verarbeitet oder in Form von Galle ausgeschieden wird Etwa 50 Prozent Proteine und 50 Prozent Fette & Cholesterin
LDL („low density lipoprotein“) LDL transportiert das Cholesterin von der Leber in die Gewebe Etwa 25 Prozent Proteine und 75 Prozent Fette & Cholesterin
VLDL („very low density lipoprotein“) VLDL transportiert ebenfalls Cholesterin von der Leber in die Gewebe, das Verhältnis von Protein, Fetten und Cholesterin ist ein anderes als bei LDL Etwa 10 Prozent Proteine und 90 Prozent Fette & Cholesterin
Chylomykronen Chylomykronen sind extrem fetthaltig und transportieren mit der Nahrung aufgenommene Fette und Cholesterin vom Darm zur Leber Etwa ein Prozent Proteine und 99 Prozent Fette & Cholesterin

Tab.3: Einteilung der Lipoproteine


Wie bestimmt der Arzt den Cholesterinspiegel im Körper?


Zur Überprüfung des Cholesterinspiegels im Blut wird der Arzt drei verschiedene Blutwerte bestimmen:


  • HDL-Cholesterin
  • LDL-Cholesterin
  • Gesamt-Cholesterin

Die Unterscheidung dieser Werte ist wichtig, um die tatsächliche Belastung durch das erhöhte Cholesterin zu erfassen.


HDL-Cholesterin gilt im Volksmund als „gutes Cholesterin“. HDL transportiert überschüssiges Cholesterin aus den Geweben zurück in die Leber, wo es ausgeschieden wird. Deshalb ist ein hoher HDL-Cholesterinspiegel, obwohl es sich um Cholesterin handelt, sinnvoll.


LDL-Cholesterin ist das eigentlich schädliche Cholesterin. LDL transportiert Cholesterin aus der Leber in die Gewebe des Körpers. Überschüssiges LDL führt zu Verfettung von Körperzellen und zur Entstehung von Gefäßplaques.


Das Gesamt-Cholesterin gibt einen Überblick über die allgemeine Cholesterinbelastung des Körpers. Dieser Wert ist allerdings nur in Zusammenschau mit den HDL- und LDL-Cholesterinwerten aussagekräftig.


Wie wirkt sich ein erhöhter Cholesterinspiegel auf den Körper aus?


Sind die Cholesterin-Werte im Blut erhöht, sprechen Mediziner von einer Hypercholesterinämie. Wissenschaftlicher sind sich inzwischen einig, dass eine über längere Zeit bestehende Hypercholesterinämie das Risiko für Gefäßerkrankungen erheblich steigert. Erhöhte LDL-Spiegel führen zur Ablagerung von Fetten, Cholesterin und Immunzellen an Gefäßwänden. Aus dieser als „fatty streak“ bezeichneten Ansammlung können sich nach und nach Plaques entwickeln, die zum Verschluss des betroffenen Gefäßes führen. Dieses Phänomen, das den Namen Atherosklerose trägt, ist eine häufige Ursache für Erkrankungen der Herzkranzgefäße (Koronare Herzerkrankung, KHK) und Herzinfarkte.


Da Cholesterin über die Gallenflüssigkeit ausgeschieden wird, können erhöhte Cholesterinspiegel ebenfalls die Bildung von Gallensteinen und damit auch das Auftreten von Gallenblasenentzündungen fördern.


Ein Zusammenhang zwischen erhöhten Cholesterinwerten und einem erhöhten Schlaganfallrisiko wurden von Wissenschaftlern angedeutet, ist allerdings heutzutage noch umstritten und Gegenstand der aktuellen Forschung.


Wie behandelt man einen erhöhten Cholesterinspiegel?


Neben einigen Erkrankungen, die mit einem erhöhten Cholesterinspiegel einhergehen, ist die Ernährung der wichtigste Auslöser für zu hohe Cholesterinwerte im Blut. Deshalb kann schon eine ausgewogene Ernährung helfen, den Cholesterinspiegel zu senken und auf ein normales Niveau zu bringen.


Allerdings erreicht der Cholesterinspiegel bei vielen Patienten trotz ausgewogener Ernährung nicht ein Niveau, bei dem kein erhöhtes Erkrankungsrisiko mehr besteht. In solchen Fällen können Medikamente helfen, den Cholesterinspiegel zu senken. Diese Medikamente werden als Statine bezeichnet. Sie hemmen ein Enzym, das der Körper benötigt, um Cholesterin herzustellen. Deshalb werden sie von Ärzten manchmal als CSE-Hemmer (Cholesterinsyntheseenzym-Hemmer) bezeichnet. Statine zählen zu den meistverschriebenen Medikamenten überhaupt, da neben der Senkung des LDL-Cholesterins eine Vielzahl weiterer positiver Effekte beschrieben wurden. Zu diesen zählt unter anderem eine Cholesterin-unabhängige Reduktion des Risikos, Herzerkrankungen zu erleiden. Bekanntester Vertreter der Statine ist das Simvastatin. Weitere Medikamente aus dieser Gruppe sind Atorvastatin und Lovastatin.


Herzerkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Ein erhöhter Cholesterinspiegel steigert das Risiko, eine solche Erkrankung zu erleiden, erheblich. Durch moderne Ernährungsmöglichkeiten wie Fast Food steigt auch das Angebot an Cholesterin in der Nahrung immer weiter. Gerade deshalb ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Auch Patienten, die trotz ausgewogener Ernährung erhöhte Cholesterinspiegel aufweisen, kann durch moderne Medikamente geholfen werden.


Siehe auch:


Gallensteine

Quellen:


Deutzmann, R., Netzker, R., & Rassow, J. (2012). Duale Reihe Biochemie. Georg Thieme Verlag.


Bhatnagar, D., Soran, H., & Durrington, P. N. (2008). Hypercholesterolaemia and its management. BMJ, 337, a993. Link: http://www.bmj.com/content/337/bmj.a993.extract (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 19.03.16


Betteridge, D. J., & Khan, M. (1995). Review of new guidelines for management of dyslipidaemia. Baillière's clinical endocrinology and metabolism, 9(4), 867-890. Link: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0950351X95802096 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 19.03.16


Fraunberger, P. D. D. P., Wang, Y., Blessing, F. J., Seidel, D., & Walli, A. K. (2005). Atherogenese: Wechselspiel zwischen Cholesterin, Inflammation und Koagulation. Herz Kardiovaskuläre Erkrankungen, 30(8), 723-732. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s00059-005-2658-9 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 19.03.16




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Cholesterin. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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