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Gicht




Die Gicht galt einmal als „Krankheit der Könige“. Doch mit dem steigenden Lebensstandard steigt auch die Zahl der Menschen, die unter einer Gichterkrankung leiden. In Deutschland sind inzwischen etwa 1,4 Prozent der Bevölkerung von der Gicht betroffen. Ein Anteil, der in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. Was macht eine Gichterkrankung aus und wie behandelt man sie?


Was ist Gicht?


Als Gicht bezeichnet man eine Entzündung von Gelenken, die durch eine Ablagerung von Harnsäurekristallen (Urat-Kristalle) verursacht wird. Harnsäure ist ein Produkt des menschlichen Stoffwechsels, das vor allem beim Abbau von Teilen der Erbsubstanz (DNA), den sogenannten Purinen, anfällt. Diese Purine können entweder als Teil der Nahrung aufgenommen werden oder aus dem eigenen Körper stammen, wo sie ständig repariert und erneuert werden.


Trägt man zu viel Harnsäure im Blut, was von Medizinern als Hyperurikämie bezeichnet wird, können einzelne Harnsäuremoleküle sich mit anderen Substanzen zu Kristallen zusammenschließen. Lagern sich diese Kristalle in Gelenken ab, kommt es zu den typischen Beschwerden der Gicht.


Welche Arten der Gicht gibt es?


Es werden zwei Erscheinungsformen der Gicht unterschieden: akute und chronische Gicht.


Der akute Gichtanfall entsteht, wenn die Ablagerung von Harnsäurekristallen die Entzündung eines Gelenkes auslöst.


Die chronische Gicht kann in verschiedene Stadien unterteilt werden, die den Schweregrad der Gichterkrankung beschreiben. Als leichteste Form gilt eine Erhöhung der Harnsäure-Werte im Blut, die jedoch keine Beschwerden verursacht (Hyperurikämie). Treten bereits Gichtanfälle auf, befindet man sich in der Zeit zwischen den Anfällen im nächsten Gicht-Stadium, der sogenannten interkritischen Gicht. Das letzte und schwerste Stadium der Gicht zeichnet sich dadurch aus, dass bereits Gelenke durch die Gicht dauerhaft geschädigt wurden und es zur Bildung von Gichtknoten, in der Fachsprache als Gichttophi bezeichnet, gekommen ist.


Akute Gicht Chronische Gicht
Akuter Gichtanfall, Entzündung eines Gelenks durch Ablagerung von Harnsäurekristallen 1. Stadium: Erhöhte Harnsäurewerte im Blut, keine Beschwerden
2. Stadium: Es treten bereits Gichtanfälle auf („Interkritische Gicht“)
3. Stadium: Zerstörung von Gelenken und Bildung von Gichtknoten

Tab. 1: Unterscheidung der Gicht


Was führt zu einer Erhöhung der Harnsäurewerte?


Harnsäure fällt aus zwei Gründen vermehrt im Blut an: Entweder es wird zu viel Harnsäure produziert oder die vorhandene Harnsäure kann nicht ausreichend abgebaut werden. Die Ursachen hierfür können entweder angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.


1) Angeborene (primäre) Harnsäureerhöhung


Zu einer angeborenen Erhöhung der Harnsäurewerte kommt es in den allermeisten Fällen, weil die Nieren der Betroffenen nicht in der Lage sind, ausreichend Harnsäure auszuscheiden. Die überschüssige Harnsäure sammelt sich im Blut.


Nur in sehr seltenen Fällen sind Gendefekte die Ursache für die primäre Harnsäureerhöhung. Durch sie kommt es zu Schädigungen im Stoffwechsel, sodass der Körper vermehrt Harnsäure produziert.


2) Erworbene (sekundäre) Harnsäureerhöhung

Eine häufige Ursache für eine erworbene Erhöhung der Harnsäurewerte ist die vermehrte Aufnahme von Harnsäure oder deren Vorläufer mit der Nahrung. Vor allem fettes Fleisch, Fisch und Bier sind reich an sogenannten Purinen, aus denen im Körper Harnsäure entsteht.


Nierenerkrankungen können dazu führen, dass die Nieren ihre Fähigkeit verlieren, ausreichend Harnsäure auszuscheiden. Die überschüssige Harnsäure sammelt sich dann, ähnlich der primären Harnsäureerhöhung, im Blut an.


Was zeichnet einen Gichtanfall aus?


Ein Gichtanfall ist die akute Entzündung eines Gelenkes durch Ablagerung von Harnsäurekristallen. Es treten Rötung, Schwellung und starke Schmerzen im Bereich des betroffenen Gelenkes auf. Durch die Entzündung ist das Gelenk in seiner Funktion und Beweglichkeit stark eingeschränkt. In etwa sechzig Prozent der Fälle tritt ein Gichtanfall erstmals am Grundgelenk der großen Zehe auf. Da die Entzündung des Großzehen-Grundgelenkes der typischste Fall einer akuten Gichterkrankung ist, gibt es für dieses Krankheitsbild einen eigenen Namen: Podagra. Auch am Sprunggelenk oder am Knie kann ein Gichtanfall erstmals auftreten.


Ein Gichtanfall beginnt fast immer sehr plötzlich. Betroffene wachen häufig mit schmerzhaft geschwollenen Gelenken aus dem Nachtschlaf auf. Die Schmerzen bei einem Gichtanfall können über mehrere Tage und sogar Wochen bestehen bleiben.


Wie wird die Gicht behandelt?


Bei der Behandlung der Gicht unterscheidet man zwei Fälle:


  • Die Behandlung eines akuten Gichtanfalls
  • Die Behandlung der chronischen Gicht

1) Behandlung eines akuten Gichtanfalls


Ein akuter Gichtanfall wird mit einer Mischung aus schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Zum Einsatz kommen so genannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), zu denen unter anderem ASS, Ibuprofen und Naproxen zählen, und Cortison. NSAR haben eine schmerzlindernde Wirkung und verhindern die Produktion von Entzündungsbotenstoffen. Cortison hemmt Entzündungszellen und verringert so die Reizung des Gelenkes. Zusätzlich kann noch eine Magenschutztablette, zum Beispiel in Form von Omeprazol, eingenommen werden.


Die Medikamente sollten so lange eingenommen werden, bis die Beschwerden abgeklungen sind, jedoch maximal für zwei Wochen.


Bleiben die Beschwerden auch danach noch bestehen, handelt es sich entweder um eine sehr schwere Form eines Gichtanfalls, der am besten im Krankenhaus behandelt werden sollte, oder um eine andere Gelenkserkrankung.


2) Behandlung der chronischen Gicht


Leiden Patienten unter mehr als zwei Gichtanfällen pro Jahr oder sind die Harnsäurewerte dauerhaft erhöht, sollte eine Therapie der chronischen Gicht begonnen werden. Mittel der Wahl bei chronischer Gicht ist das sogenannte Allopurinol. Es hemmt ein Enzym im Körper, die Xanthin-Oxidase, und verhindert so, das überschüssige Harnsäure gebildet wird. Während der Behandlung mit Allopurinol sollte regelmäßig der Harnsäurespiegel im Blut überprüft werden, um einen Erfolg der Therapie beurteilen zu können. Auch Leber- und Nierenwerte sollten regelmäßig überprüft werden.


Gicht ist eine schwerwiegende Erkrankung, die für Betroffene eine große Belastung darstellt und zu dauerhaften Gelenksschäden führen kann. Treten die Symptome eines Gichtanfalls auf, sollte schnell ein Arzt aufgesucht werden. Denn Gicht ist behandelbar und den schwerwiegenden Folgen kann vorgebeugt werden.


Quellen:


Gröbner, W., & Zöllner, N. (2004). Gicht. Zeitschrift für Rheumatologie, 63(1), 2-9. Link: http://link.springer.com/article/10.1007/s00393-004-0596-1#page-1 (Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang aufrufbar), aufgerufen am 19.01.16


Pascal Richette, M. D., & Bardin, T. Lancet Seminar: Gout. Link: http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736%2809%2960883-7.pdf, aufgerufen am 19.01.16


Longo, D., Fauci, A., Kasper, D., & Hauser, S. (2011). Harrison's Principles of Internal Medicine 18th edition. McGraw-Hill Professional.


Engel, B., Prautzsch, H., Egidi, G., Stein, A., Beck, A., Uebel, T., ... & wurden mit dem AWMF-Formblatt, I. Häufige Gichtanfälle und Chronische Gicht in der hausärztlichen Versorgung. Link: http://www.degam.de/files/Inhalte/Leitlinien-Inhalte/Dokumente/S1-Handlungsempfehlung/S1-HE_chronische%20Gicht_Langfassung.pdf, aufgerufen am 19.01.16




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Gicht. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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