Du bist hier: Gesundheitslexikon > Vitamin-D-Mangel

Vitamin-D-Mangel




In Europa leiden etwa 20 Prozent der Erwachsenen und Senioren an einem Vitamin-D-Mangel, manche Schätzungen gehen sogar von 50 Prozent aus. Auch Kinder und junge Erwachsene haben ein hohes Risiko, eine solche Mangelerscheinung zu erleiden. Die Symptome eines Vitamin-D-Mangels treten oft schleichend und mit Zeitverzögerung ein. Deshalb ist es von großer Bedeutung, einen Vitamin-D-Mangel rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, bevor es zu Folgeschäden kommt.


Was ist Vitamin D?


Vitamin D ist ein umgangssprachlicher Begriff für eine Reihe von strukturell ähnlichen Molekülen. Mit biochemisch korrektem Namen werden diese Moleküle als Calciferole oder Vitamine der Gruppe D – zu denen zum Beispiel Vitamin D2 und Vitamin D3 gehören – bezeichnet.


Die Calciferole erfüllen im Körper die Funktion von Hormonen. Das heißt, sie sind im Gegensatz zu anderen Vitaminen nicht nur für den strukturellen Aufbau von verschiedenen Molekülen im Körper wichtig, sondern wirken als Signalvermittler, die viele Prozesse im Körper regulieren. Die wichtigste Funktion der Calciferole ist die Versorgung des Körpers mit Calcium. Sie steigern die Aufnahme von Calcium über den Darm und sorgen für seinen vermehrten Einbau in die Knochen.


Zu den bedeutendsten Calciferolen zählen Vitamin D2, das sogenannten Ergocalciferol und Vitamin D3, das auch als Cholecalciferol bezeichnet wird.


Stoffwechsel des Vitamin D

Abb.1: Stoffwechsel des Vitamin D (Eigens erstellte Abbildung)


Die Calciferole werden der Gruppe der Steroidhormone zugeordnet, da sie eine für diese typische Struktur besitzen und im Körper aus Cholesterin hergestellt werden können, was für Steroidhormone charakteristisch ist. Die Hälfte des täglich benötigten Vitamin D3 kann der Körper selbst herstellen, die andere Hälfte muss über die Nahrung aufgenommen werden. Zur Herstellung von Vitamin D3 im Körper (Abbildung 1) ist UV-Licht von großer Bedeutung, da ein Teil der Reaktionen, nämlich die Umwandlung von 7-Dehydrocholesterol zu Vitamin D3, in der Haut stattfindet und als Energielieferant UV-Licht benötigt.


Wie kommt es zu einem Mangel an Vitamin D?


Ein Vitamin-D-Mangel kann auf drei Wege zu Stande kommen:


  • Eine unzureichende Aufnahme von Vitamin D mit der Nahrung
  • Eine unzureichende Produktion von Vitamin D im Körper
  • Ein Vitamin-D-Mangel als Folge anderer Erkrankungen

1) Unzureichende Aufnahme von Vitamin D

Vitamin D ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Nahrungsmittel tierischer Abstammung. So ist das Vitamin zum Beispiel in vielen Fischen (u.a. Hering), Hühnereiern, Rinderleber oder Käseprodukten enthalten. Gerade deshalb sollten Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, vermehrt auf ihren Vitamin-D-Haushalt achten. Gemüsesorten, die reich an Vitamin D sind, sind zum Beispiel Champignons und Avocados.


2) Unzureichende Produktion von Vitamin D

Der wichtigste Schritt in der körpereigenen Produktion des Vitamin D geschieht in der Haut und ist von UV-Licht abhängig. In Deutschland kommt es deshalb gerade im Winter häufig zu einem Vitamin-D-Mangel. Auch Personen, die sich generell wenig im Freien aufhalten, sind von einer verminderten Vitamin-D-Produktion betroffen. Sonnencreme verhindert das Eindringen von UV-Licht in die Haut und hemmt so ebenfalls die Vitamin-D-Produktion.


3) Vitamin-D-Mangel als Folge anderer Erkrankungen

Einige Erkrankungen führen dazu, dass Vitamin D nicht ausreichend hergestellt werden kann oder vermehrt abgebaut wird. So können zum Beispiel Lebererkrankungen dazu führen, dass die Umwandlung von Vitamin D3 zu Calcidiol nicht ausreichend stattfindet und Erkrankungen der Nieren können die Umwandlung von Calcidiol zu Calcitriol – dem aktivierten Vitamin D3 – beeinträchtigen.


Was sind die Symptome eines Vitamin-D-Mangels?


Ein leichter Mangel an Vitamin D kann lange asymptomatisch, also ohne Symptome, bleiben. Ist der Mangel hingegen drastischer oder besteht über einen längeren Zeitraum, treten die Symptome eines Vitamin-D-Mangels auf.


Da Vitamin D eine wichtige Rolle in der Bereitstellung von Calcium spielt, sinkt bei einem Vitamin-D-Mangel der Calciumspiegel im Blut. Dieser Zustand wird von Ärzten als Hypocalciämie bezeichnet. Außerdem kommt es zu einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus), da diese ebenfalls die Bereitstellung von Calcium reguliert. Als Folge des Calciummangels kommt es zu einer Behinderung des Knochenumbaus und des Knochenaufbaus, die mit schweren strukturellen Schäden einhergehen kann. Außerdem ist die Funktion von Muskeln durch einen Calciummangel eingeschränkt.


Nur selten führt ein Vitamin-D-Mangel zu den Symptomen eines akuten Calciummangels. Hierfür ist meist ein zusätzlicher Auslöser, wie zum Beispiel die Einnahme bestimmter Medikamente (Bisphosphonate), notwendig. Dann treten bei Betroffenen Verwirrtheit, Taubheitsgefühle am ganzen Körper und sogar Krampfanfälle auf.


Die langfristigen Folgen des Vitamin-D- und des daraus resultierenden Calcium-Mangels werden in zwei Krankheitsbildern zusammengefasst, je nach Alter der betroffenen Patienten:


  • Rachitis (im Kindesalter)
  • Osteoporose und Osteomalazie

1) Rachitis

Kinder, bei denen sich die Knochen in einer Phase des natürlichen Wachstums befinden, leiden stark unter den Folgen eines Vitamin-D-Mangels. Durch die Veränderungen im Calcium-Haushalt kommt es zu Störungen im Knochenaufbau, die zu schweren Deformationen führen können. Das Wachstum des Kindes ist durch eine solche Erkrankung dauerhaft beeinträchtigt, die Form und Funktion der sich ausbildenden Knochen ebenfalls.


2) Osteoporose und Osteomalazie

Osteomalazie beschreibt die Folge eines Vitamin-D- und Calcium-Mangels, nachdem das Knochenwachstum abgeschlossen ist. Die Knochen befinden sich trotzdem in einem ständigen Wechsel aus Auf- und Abbau, um auf die Anforderungen ihrer Umwelt reagieren zu können. Störungen in diesem Prozess führen zu erheblicher Instabilität der Knochen. Bei der Osteoporose kommt es dadurch zu spontanen Knochenbrüchen, bei der Osteomalazie zusätzlich zu bleibenden Deformationen der Knochen.


Wie stellt der Arzt die Diagnose Vitamin-D-Mangel?


Die Diagnose eines Vitamin-D-Mangels ist leicht zu stellen: Der Arzt untersucht lediglich die Spiegel an aktivem und inaktivem Vitamin D im Blut und kann so Rückschlüsse über die Produktion und die Aufnahme von Vitamin D ziehen.


Wie wird ein Vitamin-D-Mangel behandelt?


Ein Mangel an Vitamin D kann entsprechend seiner Auslöser behandelt werden.


Zum einen empfiehlt es sich, Zeit in der Sonne zu verbringen, um die körpereigene Produktion von Vitamin D zu steigern. Zum anderen gibt es künstlich hergestellte Vitamin-D-Präparate. Diese helfen, eine ausreichende Tagesdosis von Vitamin D aufzunehmen. Vitamin D ist häufig in ausreichenden Mengen in Multivitamin-Präparaten enthalten, sodass eine Einnahme solcher Präparate einem Vitamin-D-Mangel vorbeugt.


Allerdings sollte man bei einer Einnahme von Vitamin-D-Präparaten darauf achten, dass ein Überschuss an Vitamin D ebenfalls zu unerwünschten Folgen, wie z.B. einer Entkalkung von Knochen, führen kann. Deshalb empfiehlt es sich, vor Einnahme eines Vitamin-D-Präparates mit dem Arzt Rücksprache zu halten, um eine optimale Dosierung zu erreichen.


Eine unzureichende Aufnahme und Produktion von Vitamin D ist eine weitverbreitete Mangelerscheinung. Bewusste Ernährung und Nahrungsergänzung können einen Beitrag leisten, diese Mangelerscheinung und ihre schwerwiegenden Folgen effektiv zu beseitigen.


Siehe auch:


Osteoporose Wechseljahre

Quellen:


Harrison's principles of internal medicine. Vol. 2. New York: McGraw-Hill Medical, 2008.


Holick, M. F., Binkley, N. C., Bischoff-Ferrari, H. A., Gordon, C. M., Hanley, D. A., Heaney, R. P., ... & Weaver, C. M. (2011). Evaluation, treatment, and prevention of vitamin D deficiency: an Endocrine Society clinical practice guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 96(7), 1911-1930. Link: http://press.endocrine.org/doi/full/10.1210/jc.2011-0385, aufgerufen am 16.02.16


Borchard-Tuch, C. Vitamin-D-Mangel. Link: http://www.praxis-vordergasse9.ch/ortho/download::20151019-133413-VitaminD.pdf, aufgerufen am 16.02.16


Deutzmann, R., Netzker, R., & Rassow, J. (2012). Duale Reihe Biochemie. Georg Thieme Verlag.




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Vitamin-D-Mangel. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


Wenn Du diese Buttons anklickst, willigst Du ein, dass Deine Daten an an die jeweiligen sozialen Netzwerke übertragen und ggf. dort gespeichert werden. Näheres erfährst Du unter „i“.
 



Wir verwenden Cookies, um Dir ein optimales Nutzungserlebnis unserer Webinhalte zu ermöglichen. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies