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Wechseljahre




In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke der Frau die Östrogenproduktion ein. Damit bedeutet diese Zeit eine große körperliche und seelische Umstellung für jede Frau. Symptome der Wechseljahre umfassen unter anderem Hitzewallungen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit und Depressionen . Hormontherapien können diese Beschwerden mildern. Der folgende Text erklärt, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und was während und nach den Wechseljahren beachtet werden sollte.

Was passiert in den Wechseljahren?


Als Wechseljahre wird die Zeit beschrieben, in der die Eierstöcke einer Frau anfangen, weniger Östrogene zu produzieren und letztendlich die Produktion komplett einstellen. Dadurch werden auch keine befruchtbaren Eizellen mehr hergestellt. Dies führt zu einem selteneren Eintreten der Regelblutung, bis diese vollständig ausbleibt. Die letzte aufgetretene Regelblutung wird als Menopause bezeichnet. Vergehen nach dieser letzten Menstruation zwölf Monate ohne weitere Blutung, wird der Prozess als abgeschlossen angesehen und der beginnende Zeitraum als postmenopausal bezeichnet. Frauen können ab diesem Zeitpunkt nicht mehr schwanger werden.


Der Östrogenmangel kann einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Frau haben oder aber zu keinen bis wenigen Beschwerden führen. Manche Frauen fühlen sich mit einer hormonellen Behandlung wohler. Für Frauen, denen die Gebärmutter, aber nicht die Eierstöcke entfernt wurden (Hysterektomie), kann es schwierig sein, zu erkennen, wann die Wechseljahre abgeschlossen sind. Meistens kann sich jedoch auch hier an den restlichen Symptomen orientiert werden.


Wann treten die Wechseljahre ein?


Die letzte Regelblutung erlebt eine Frau durchschnittlich mit dem 51. Lebensjahr. Meist beginnen jedoch schon bis zu fünf Jahre vorher die Symptome der Wechseljahre. Auch können in der Zeit vor dem endgültigen Ausbleiben der Menstruation die Blutungen schwächer, unregelmäßiger und seltener werden. Ab dem 45. Lebensjahr kann eine Frau mit dem Eintreten der Wechseljahre rechnen. Bleibt bereits vor dem 45. Lebensjahr die Monatsblutung aus, sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden, um die Hormonwerte zu messen und gegebenenfalls die Ursachen dieser frühen Menopause zu ergründen.


Welche Symptome treten während der Wechseljahre auf?


Eins der häufigsten Symptome während der Wechseljahre sind die Hitzewallungen. Frauen beschreiben sie als beginnende Wärme in der Brust, die sich dann über den ganzen Körper ausbreitet und etwa zwei bis vier Minuten dauert. Diese Hitzewallungen können unterschiedlich häufig auftreten, von täglich bis stündlich. Insbesondere in den Nachtstunden sind Hitzewallungen häufiger und können so zu Nachtschweiß führen. Sowohl die Hitze als auch die darauf folgende Kälte durch den Schweiß können den Nachtschlaf stören und zu Tagesmüdigkeit und Abgeschlagenheit führen. Auch unabhängig von den Temperaturschwankungen kann es während der Wechseljahre zu Schlafstörungen kommen – dies kann sowohl das Ein- als auch das Durchschlafen betreffen.


Da normalerweise Östrogen für die Befeuchtung der Scheidenschleimhäute zuständig ist, kann es während der Wechseljahre zu Trockenheit der Scheide und der Harnröhre kommen. Dies kann Jucken, Brennen und Schmerzen, insbesondere beim Geschlechtsverkehr, zur Folge haben.


Auch die Stimmung kann von der Hormonumstellung beeinflusst werden. Depressionen oder Stimmungsschwankungen sind keine Seltenheit, insbesondere bei Frauen, die bereits vormals in ihrem Leben an einer depressiven Episode litten. Depressionen lassen sich jedoch gut behandeln.


Wie können die Symptome der Wechseljahre behandelt werden?


Symptome der Wechseljahre müssen nicht automatisch behandelt werden und Frauen sind nicht gezwungen, in dieser Zeit Medikamente einzunehmen. Leiden sie jedoch sehr unter den Symptomen wie Hitzewallungen, bietet die Hormonersatztherapie mit Östrogenen und einem Progesteron-ähnlichen Stoff eine gute Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern. Die Behandlung ist mit der Einnahme der Antibabypille zu vergleichen. Da Östrogen allein zu einer Wucherung der Gebärmutterschleimhaut führen kann, sollte bei Frauen, denen die Gebärmutter nicht entnommen wurde, immer ein Progesteron-Präparat zu der Östrogentherapie gegeben werden. Frauen ohne Gebärmutter können auf reine Östrogen-Präparate zurückgreifen. Es gibt viele verschiedene Darreichungsformen, unter anderem als Tablette, Pflaster oder Vaginalring. Die Hormontherapie kann das Risiko, an einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Brustkrebs zu erkranken, leicht erhöhen und sollte im Einzelfall mit dem Frauenarzt besprochen werden. Leiden Frauen eher nur unter Scheidentrockenheit, kann eine östrogenhaltige Creme helfen.


Oft werden sogenannte natürliche Präparate beworben, die meist pflanzlicher Natur sind und ebenfalls Hormone enthalten. Da diese Stoffe jedoch nicht unter das normale Arzneimittelgesetz fallen, werden sie weniger streng kontrolliert und es ist unklar, welche Mengen Hormone sie enthalten. Die Menge kann zwischen zwei Packungen sehr unterschiedlich ausfallen und dementsprechend unterschiedliche Wirkungen entfalten. Aus wissenschaftlicher Sicht wird deshalb von diesem Präparaten abgeraten.


Treten während der Wechseljahre Depressionen auf, können diese mit verschiedenen Antidepressiva therapiert werden. Liegen gleichzeitig Schlafstörungen vor, können diese durch die Auswahl des richtigen Antidepressivums ebenfalls behandelt werden.


Wie sollte die Verhütung während der Wechseljahre gehandhabt werden?


Die Fruchtbarkeit einer Frau sinkt mit dem Alter auf natürliche Weise. Bis die Blutung jedoch über zwölf Monate ausgeblieben ist, sollte weiterhin von der Möglichkeit ausgegangen werden, schwanger werden zu können. Aus diesem Grund sollten begonnene Verhütungsmaßnahmen bis zum definitiven Ende der Wechseljahre fortgeführt werden. Unter Einnahme der Pille kann es jedoch schwierig sein, zu erkennen, wann die Menopause eintritt. Eventuell sollte deshalb auf eine nicht-hormonelle Empfängnisverhütung wie Kondome gewechselt werden. Ein ähnliches Problem ergibt sich mit dem Intrauterinpessar, auch als Spirale bekannt. Auch sie kann zu einem natürlichen Ausbleiben der Regel führen und so die Menopause verschleiern. Hier wird in den meisten Fällen geraten, die Spirale noch für ihre gesamte Haltbarkeitsdauer (fünf bis zehn Jahre) beizubehalten und dann zu entfernen, wenn das Durchschnittsalter von 51 Jahren überschritten wurde.


Nach den Wechseljahren muss keine Empfängnisverhütung mehr genutzt werden. Es besteht jedoch weiterhin das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Infektionen anzustecken. Insbesondere wenn weiterhin eine Scheidentrockenheit besteht, ist die Schleimhaut anfälliger für Risse und damit den Eintritt von Erregern. Aus diesem Grund sollte auch nach der Menopause noch eine zuverlässige Verhütung (z.B. mit Kondomen) gewählt werden, wenn neue Sexualkontakte zustande kommen.


Wie fühlen sich Frauen während der Wechseljahre?


Jede Frau geht anders mit ihren Wechseljahren um, für viele Frauen ist es jedoch eine große körperliche und seelische Veränderung. Während manche Frauen darunter leiden, nun nicht mehr fruchtbar und damit ihrem Empfinden nach „weniger weiblich“ zu sein, begrüßen andere Frauen das schwindende Risiko, schwanger zu werden. Der Eintritt in eine neue Lebensstufe kann mit Anpassungsschwierigkeiten und einer Neubewertung des bisher gelebten Lebens verknüpft sein und insbesondere mit dem Östrogenmangel zu Depressionen und Stimmungsschwankungen führen. Der nun relativ erhöhte Testosteronspiegel kann jedoch auch zu einem Energieschub und beispielsweise vermehrten sexuellen Verlangen führen.


Können auch nach den Wechseljahren noch Blutungen auftreten?


Eventuell kann es nach dem Geschlechtsverkehr zu Blutungen kommen, wenn die durch den Östrogenmangel trockenere Scheidenhaut verletzt wird. Nach den Wechseljahren sollten jedoch keine vaginalen Blutungen mehr auftreten. Selbst wenn nur eine kleine Blutung auftritt, sollte ein Frauenarzt aufgesucht werden, da dann die Gebärmutterschleimhaut auf Wucherungen untersucht werden muss.


Was sollte nach den Wechseljahren beachtet werden?


Postmenopausale Frauen haben durch den erniedrigten Östrogenspiegel eine höhere Chance, an Osteoporose zu erkranken. Diese verminderte Knochendichte kann zu Knochenbrüchen bei selbst harmlosen Stürzen führen. Aus diesem Grund sollten insbesondere Frauen nach der Menopause auf eine ausreichende Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr achten und sich regelmäßig untersuchen lassen.


Zusätzlich zum Osteoporoserisiko steigt nach der Menopause auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle und Herzinfarkte. Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, sollte auf eine ausgeglichene Ernährung und ausreichend Bewegung geachtet werden, um die Blutfette in einem guten Gleichgewicht zu halten. Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht sollten vermieden werden. Bluthochdruck und ein eventuell bestehender Diabetes mellitus sollten so gut wie möglich eingestellt werden.


Ein Problem, welches nicht zwangsläufig mit der Menopause in Zusammenhang stehen muss, aber häufig in der gleichen Zeit auftritt, ist die Urininkontinenz. Dies ist in den meisten Fällen auf eine schlaffer werdende Beckenbodenmuskultur zurückzuführen, kann jedoch verschiedene Ursachen haben. Da Inkontinenz in den meisten Fällen sehr gut behandelbar ist, sollten sich Frauen nicht scheuen, dieses Problem beim Haus- oder Frauenarzt anzusprechen.


Auch in der Postmenopause sollten sich Frauen weiterhin regelmäßig beim Frauenarzt vorstellen und die Vorsorgeuntersuchungen, wie den PAP-Abstrich oder die Mammographie, durchführen lassen.


Siehe auch:


Osteoporose Depression Endometriose Vitamin D - Mangel

Quellen:


Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Leitlinie zur Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause. 2009. Online unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-062l_S3_Hormontherapie_in_der_Peri-_und_Postmenopause_2009_abgelaufen.pdf, abgerufen am 02.04.2016


D. von Fournier: Gynäkologie und Geburtshilfe - Lehrbuch für Studium und Praxis. Schattauer Verlag, Stuttgart, 2007. S. 81ff. Online unter https://books.google.com/books?id=b9RcZnGCjSwC, abgerufen am 02.04.2016


North American Menopause Society. "Estrogen and progestogen use in postmenopausal women: 2010 position statement of The North American Menopause Society." Menopause (New York, NY) 17.2 (2010): 242.


P. Kaufert, et al. "Women and Menopause: Beliefs, Attitudes, and Behaviors. The North American Menopause Society 1997 Menopause Survey." Menopause 5.4 (1998): 197-202. Menopause Guidelines Revision Task Force, A. A. C. E. "American Association of Clinical Endocrinologists medical guidelines for clinical practice for the diagnosis and treatment of menopause." Endocrine practice 12.3 (2006): 315-337.




Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Hinweise und Beschreibungen zum Thema Wechseljahre. Er eignet sich nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung und kann einen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen.


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